Share Ich habe es vor ziemlich genau zwei Monaten angedroht und nun ist es so weit. Nach Verpasste Chancen sollte eigentlich das Kapitel „Chancen“ folgen. Aber aus aktuellem Anlass - Auslöser ist für mich die Diskussion über die Verpflichtung von Robert Dietrich – möchte ich ein klein wenig über den Tellerrand schauen.
Den eigentlich größten Schritt seiner Entwicklung zum Eishockeyprofi hat er bereits hinter sich gebracht. Zuerst hat er sich in der DEL bei einer Spitzenmannschaft durchgesetzt, um in diesem Jahr in der Knochenmühle AHL bei Milwaukee eine ordentliche Duftmarke zu setzen. Gekrönt wurde das ganze mit einer tollen Leistung bei der Heim-WM. Und nun folgt das obligatorische ABER. In der Organisation der Nashville Predators ist seine Rolle von anderen Spielern besetzt und für die Zukunft sind bereits neue, höher eingestufte Spieler im Anmarsch. Die Chance sich innerhalb der Organisation weiterzuentwickeln und gleichzeitig ins NHL-Team hochzuarbeiten ist gering. Deshalb ist der Schritt zurück nach Europa in meinen Augen eine gute Entscheidung.
Die Frage ist nun: Was macht er daraus? Und was mich noch viel mehr interessiert: Was machen die Adler daraus? Mit der Unterzeichung seines Dreijahresvertrags stehen bei den Adlern aktuell nur fünf Spieler über die kommende Spielzeit hinaus unter Vertrag. Ein nicht zu unterschätzendes Druckmittel, das man nutzen kann und sollte.
In den letzten Jahren gibt es im europäischen Eishockey zwei Clubs, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Das ist zu einem Kärpät Oulu aus Finnland und die Red Bulls Salzburg aus Österreich. Die Finnen habe ich mehrfach beim European Champions Cup gesehen, wo sie 2005 im Finale mit 1-2 nach Verlängerung knapp an Awangard Omsk scheiterten und im Folgejahr von Dynamo Moskau erst im Penaltyschiessen mit 5-4 bezwungen wurden.
Es waren nicht diese knappen Ergebnisse, die mich begeisterten, sondern die Art und Weise wie sie spielten und auftraten. Da gab es keine Phase von Lustlosigkeit. Man kann ein Spiel nicht über 60 Minuten dominieren, aber der Wille dazu muss vorhanden sein und den sah ich. Eine unglaubliche Lauffreudigkeit gepaart mit Kombinationslust, wie ich sie selten gesehen habe. Nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es können. Die Kunst der Verantwortlichen von Kärpät Oulu ist es, diesen Hunger dauerhaft aufrecht zu erhalten.
Bei Salzburg ist die Balance zwischen Talent und Wille nicht so ausgeglichen. Letzterer wiegt hier schwerer in der Waagschale, macht deren Auftritte aber nicht weniger attraktiv oder erfolgreich. Ich erwarte von den Adler nicht, dass sie diese Systeme kopieren, aber Inspirationen kann man sich ohne weiteres holen.
Es ist nur eine Nuance, aber ich interpretiere im Artikel vom 9. Juni im Mannheimer Morgen mal wieder rein, was ich darin sehe.
"Er hat die Möglichkeiten für die Mannschaft gesehen und er weiß, dass er hier um die Meisterschaft mitspielen kann"
Kommt doch um Himmels Willen endlich mal davon runter, immer das Wort Meisterschaft als Fixpunkt zu benutzen. Wie oft wollten die Adler in den letzten Jahren um sie spielen und was kam während der Saison und am Ende dabei raus? Ernüchterung und Enttäuschung. Von Entwicklung in irgendeiner Art und Weise war nichts zu sehen und man krampfte sich mit Hängen und Würgen durch die Vorrunde.
Wenn man es schafft, die Spieler an sich und die Mannschaft als ganzes stetig zu verbessern und zu den Playoffs hin in Höchstform zu bringen kann man eigentlich nur Erfolg haben - wirtschaftlich genauso wie sportlich.
Ich habe großes Vertrauen in die Fähigkeiten von Harold Kreis. Mir wäre es aber wichtig, dass man dieses Vertrauen nicht nur bei Fans und Sponsoren weckt, sondern auch den Spielern von vornherein die klare Ansage macht, dass die Zeiten des permanenten „Gang Zurückschaltens“ in Mannheim der Vergangenheit angehören.
Im gleichen Interview war davon die Rede, das Robert Dietrich ins Konzept passen würde. Wäre es ein Ding der Unmöglichkeit Details von diesem Konzept vorzustellen?
Eigentlich müsste man die Camps der NHL abwarten, denn genau diese Kaliber werden eigentlich benötigt, um in der anstehenden Saison etwas zu reissen. Aber die Europeantrophy steht an und da kann man mit einem Rumpfkader nicht sonderlich viel Vertrauen und Respekt bei den anderen Teilnehmern gewinnen. Ein zweischneidiges Schwert, das über Wohl und Wehe der ganzen Saison entscheiden kann.


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