Share Als junger, ambitionierter Trainer kam er nach Mannheim. Nun scheint die Karriere nach wenigen Jahren auch schon wieder beendet zu sein, bevor sie richtig begonnen hat. Zumindest die als Trainer. Zu Beginn war er der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Im Nachhinein kann man fragen, ob der Erfolg des Triples in der Saison 2006/2007 nicht kontraproduktiv auf seine Entwicklung ausgewirkt hat.
Der Hunger nach Erfolg war zu schnell gestillt worden und hatte dem normalen Tagesgeschäft den Reiz genommen. Mannheim ist nun mal ein ganz anderes Pflaster, mit Problemen, die andernorts als Luxus bezeichnet werden. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass die harte und ehrliche Arbeit, auf genauso wie neben dem Eis, seit je her die Massen – nicht nur in Mannheim – begeistert hat.
Das Teal Fowler an den Fehlern des schleichenden Niedergangs nach der letzten Meisterschaft Schuld ist werde ich niemals behaupten. Aber er hat ihn auch nicht verhindert. Da stellt sich mir die Frage, was Loyalität wirklich bedeutet. Mit dem sinkenden Schiff unterzugehen ist ohne Frage ehrenvoll. Danach jedoch bis in die gefühlte Unendlichkeit weiterzuspuken nicht.
Greg Poss konnte er nicht in den Rücken fallen. Heute weiß man, dass ein extrem harter Schnitt im Team nötig gewesen wäre, zu dem man damals genauso wenig nicht bereit war, wie man es heute ist. Unter Dave King wird er kein Mitspracherecht gehabt haben, allerdings sollte in einer gesunden Clubstruktur kontrovers über Probleme diskutiert werden können. Es endete nach den Vorfällen in Köln mit der Entlassung Kings und der Chance für Fowler, das Zepter zu übernehmen.
Deutliche Unterschiede waren ohne Zweifel zu erkennen, aber die Versäumnisse der vorrausgegangen Monate konnte man auf die Schnelle ebenso wenig kaschieren, wie jene bei der unausgewogenen Kaderzusammenstellung. Genau an der Stelle erwarte ich einen vor Ehrgeiz strotzenden Teal Fowler, der keinen Stein auf dem anderen lässt und jede Kleinigkeit in seinem Aufgabenbereich hinterfragt.
Doug Mason überzeugte Kuhl und Hopp. Noch heute würde ich gerne wissen mit was genau. Scheiterte es schon an der Planung oder „nur“ an der Umsetzung? Auf jeden Fall fehlte ein starker Charakter, der die offensichtlichen Probleme beim Namen nannte und Gegenmaßnahmen einleitete. Ganz davon abgesehen, dass die von Fowler betreuten Specialteams zu keinem Zeitpunkt der Saison konstant akzeptable Leistungen brachten.
Als dann das Zepter wieder an ihn übergeben wurde, fiel er wieder in den Trott der Loyalität. Keine Handschrift, kein System. Eine öffentlich Fehleranalyse ist ja nicht zwingend erforderlich, so lange man Lösungen präsentiert. Aber das fehlte. War es aufgrund von fehlendem Mut, weil man fürchten musste, dass man die unübersehbaren Fehler von Außenstehenden angekreidet bekommen hätte? An der fehlenden Kompetenz oder dem fehlenden Durchsetzungsvermögen gegenüber dem Management und/oder dem Starensemble?
Wir befinden uns beim Eishockey in einer modernen Art des Krieges. Aus Instinkt folgt man in Fällen wie diesem Persönlichkeiten, denen man in vielerlei Hinsicht vertraut. Mut, Kompetenz, Durchsetzungsvermögen, Kreativität, Aggressivität, die Fähigkeit, das Beste aus jedem Einzelnen zum Wohl der Gruppe herauszuholen sind Facetten einer Führungspersönlichkeit, die den Adlern in den letzten Jahren schmerzlich abging. Wie will man von den Spielern erwarten, dass sie sich ohne Furcht dem Gegner entgegen stellen, wenn einem permanent Führungsschwäche vorgelebt wird? Die Nordamerikaner zu schützen hat nichts gebracht. Die Deutschen zu attackieren genauso wenig. Sicher, diese Taktik kann klappen. Aber nach dem x-ten Fehlschuss muss auch mal ein Volltreffer her, der das angeknackste Vertrauen wieder aufrichtet.
Louis van Gaal hat mir in dieser Saison sehr imponiert. Nach schlechten Leistungen stellte er sich vor seine Mannschaft, nach guten kritisierte er sie. Beides in einem gesunden Maß. Weder sollten sich die Spieler sinnlos den Kopf über Probleme zerbrechen, die weit weniger dramatisch waren, als es im ersten Moment den Anschein hatte, noch sollten sie zu selbstbewusst werden, um den ein oder anderen, vermeintlich schwachen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Genau diese Balance fehlt bei den Adlern. Es gibt eine Zeit für Experimente und eine für eine gerade Linie an der sich alle orientieren müssen. Man muss sich entscheiden, wie man das den Spielern vermittelt. Stimmt es charakterlich in der Mannschaft, kann man auf die Vernunft der Selbsterkenntnis setzen. Trotzdem bedarf es einer klaren, für alle verständliche Formulierung, gegen die man einfach nicht Argumentieren kann.
Bei geringeren, charakterlichen Ausreissern muss man sich entscheiden, ob man der Gruppe zumuten kann, sie gemeinsam für die Fehler von Einzelnen zur Verantwortung zu ziehen oder es wirklich im ganz kleinen Kreis zu lösen. Aber man muss auch die Chance sehen, dass die Mannschaft an solchen Problemen wachsen kann.
Sind die Probleme massiverer Art, bleibt in der Regel nur eine Möglichkeit. Man muss die Spieler zerbrechen, bevor man sie neu formen kann. Selbst die Androhung kann wahre Wunder wirken. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Überlegungen überhaupt nicht zur Sprache kamen. Zu ziellos war der Kurs durch die Saison, als das man eine Linie hätte erkennen können.
Mit der Entlassung Masons hätte der Startschuss für eine neue Philosophie fallen sollen. Echte Anzeichen dafür habe ich bis heute nicht erkannt. Und diese fehlende Führungsschwäche wird jetzt auch noch mit dem Managerposten goutiert. Meine große Angst ist, dass das schwächste Glied in der Kette in der nächsten Saison wieder reissen könnte. Fünf Vertragsauflösungen hinterlassen für einen Moment einen starken Eindruck. Auf die, die gegangen wurden. Aber was für ein Zeichen ist es für die Verbliebenen? Als es um die Wurst ging, war man nicht dazu bereit die Ärmel hochzukrempeln. Erst als die Gefahr verzogen war schritt man ein.
Irgendwann kommt man am Punkt ohne Wiederkehr an. Wäre der in meinen Augen erreicht, würde es diesen Text nicht geben. In der nächsten Ausgabe geht es dann schlicht und einfach um Chancen.


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