Rheinpfalz:
Schlechte Laune ist tabu
Eishockey: Mannheim hat trotz des 0:4-Halbfinal-Auftakts noch Hoffnung
BERLIN (olw). Überraschendes Geständnis nach einer 0:4 (0:2, 0:2, 0:0)-Schlappe: „Ich könnte sofort wieder weiterspielen", versicherte Marcus Kink, Stürmer der Adler Mannheim, gestern nach der klaren Niederlage im ersten Play-off-Halbfinale bei Eishockey-Meister Eisbären Berlin. Nicht etwa, weil es so schön war vor über 14.000 Zuschauern, „sondern aus Wut".
Kink ist froh, dass die Adler kaum Zeit haben, sich über dieses Spiel lange Gedanken zu machen. Bereits morgen (19.30 Uhr, SAP-Arena) geht es weiter. Keine Frage: Ein Heimsieg muss her, sonst gehen am Freitag in Berlin für Mannheims Eishockey diese Saison die Lichter aus. So gut die Adler im Viertelfinale gegen Nürnberg auftrumpften - der Meister ist ein ganz anderes Kaliber. „Gegen Berlin und in Berlin war das zu wenig", wusste Cheftrainer Teal Fowler.
Die Geschichte des Spiels ist relativ schnell erzählt. Wie angekündigt liefen die Adler mit einem siebten Verteidiger (Bouchard) auf, dafür pausierte Stürmer Jason King. Zehn Minuten lang sah das gut aus, was die Gäste aufs Eis brachten: Gut in Unterzahl, vielversprechend in Überzahl, ordentlich bei Fünf-gegen-Fünf. „Ich glaube, die Eisbären waren überrascht von uns", vermutete Marcus Kink. Jason Jaspers hätte nach starker Vorarbeit des jungen Flügelstürmers für das 0:1 sorgen können, doch Rob Zepp im Eisbären-Tor parierte (6.). Dann aber, nach einem Pfostentreffer, machte der Meister Ernst - und die Adler kamen fast immer einen Schritt zu spät, so schnell schaltete der Gegner von Abwehr auf Angriff um. Ausdruck dieser Unterlegenheit waren sechs Strafzeiten, von denen Berlin zwei nutzte: Erst staubte Andy Roach nach guter Brathwaite-Parade zum 1:0 ab, dann überlistete Play-off-Monster Andre Rankel den Adler-Goalie zum 2:0. „In Überzahl", flüsterte Teal Fowler, als die Fernsehkameras längst abgeschaltet waren, „haben sie gemacht was sie wollten ..." Hätte Tomas Martinec kurz vor der Drittelpause eine Shorthander-Chance zum Anschlusstreffer genutzt, wäre das vielleicht eine Initialzündung gewesen. Doch nachdem der Stürmer Smith die Scheibe abgeknöpft hatte, fuhr er mit zu wenig Tempo aufs Tor und vertändelte (20.). „Sehr ärgerlich" fand das Martinec selbst. So legten die Eisbären im Mitteldrittel nach: Florian Buschs Klasse-Solo vollendete Sven Felski zum 3:0, das 4:0 durch Deron Quint war dann wieder ein Überzahltreffer. Zuvor hatte Ronny Arendt eine gute Breakchance, doch Rob Zepp zeigte einen famosen Reflex. Wieder so eine Schlüsselszene, wieder eine vergebene Möglichkeit.
Also versuchten sich alle, wenigstens am offenen Schlussdrittel wieder aufzurichten. „Es ist ja noch nicht vorbei", wehrte sich Francois Bouchard gegen Untergangsstimmung. Dass drei Siege gegen diese Berliner, die auch noch ohne den kranken Mark Beaufait spielten, ein zumindest kleines Wunder wären, weiß seit gestern eh jeder. Wieso also alles noch schlimmer machen durch schlechte Laune?
so spielten sie
Adler Mannheim: Brathwaite - McGillis, Petermann; Sloan, Butenschön; Trepanier, Ryan; Bouchard - Corbet, Forbes, Arendt; Martinec, Hackert, Beardsmore; Jaspers, Methot, Kink; Mauer, Girard, Flache
Tore: 1:0 Roach (Walker) 13.48, 2:0 Rankel 17.07, 3:0 Felski (Busch) 28.35, 4:0 Quint (Felski) 38.52 - Strafminuten: 10 - 16 - Beste Spieler: Zepp, Regehr, Busch, Felski - Kink, Forbes - Zuschauer: 14.100 - Schiedsrichter: Aumüller (Ottobrunn)/Schimm (Waldkraiburg).
Premium-Adresse Berlin
Kommentar von Oliver Wehner
Der Titelverteidiger war gestern eine Klasse besser als die Adler. Und beeindruckt die Liga zudem mit tollem Eishockey-Ambiente.
„Vorweggenommenes Finale" - ein geflügeltes Wort vor dieser Halbfinalserie zwischen dem erfolgreichsten Eishockey-Team der letzten vier Jahre (drei Meistertitel) und dem mit fünf Titeln noch unangefochtenen Rekordmeister der Deutschen Eishockey-Liga. Unterm Strich aber waren die Eisbären Berlin gestern fast eine Klasse besser als die Adler Mannheim. Nahziel der Adler kann derzeit nur sein, ein zweites Heimspiel zu erzwingen ...
Sicher ist: Die Eisbären sind seit dem Auszug aus dem vielleicht für Ost-Nostalgiker charmanten, ansonsten aber eher mitleiderregenden Sportforum Hohenschönhausen in die mondäne O2-World mit über 14.000 Plätzen eine echte Premium-Adresse der DEL geworden. Jetzt beeindrucken die Berliner nicht mehr nur mit Titeln, sondern auch mit einem der Hauptstadt angemessenen Hallenambiente.
Dass die DEL insgesamt in dieser Saison eine steigende Zuschauerzahl verzeichnet, ist fast einzig und allein das Verdienst des Titelverteidigers mit der neuen Halle, der mit seinem Schnitt von fast 13.800 das Ligamittel mächtig hochhievte, ja sogar stützt. Denn der bisherige Zuschauerprimus Kölner Haie musste einen - angesichts des sportlichen Desasters verständlichen - Fanschwund beklagen. In Duisburg gingen bereits die Lichter aus, Nürnberg wird wohl leider folgen. Ohne die Eisbären und die O2-World wäre es eine schlimme Saison für die DEL geworden ...
Andererseits: Sollte kommende Runde wirklich nur mit 14 Teams gespielt werden, wäre das eine längst wünschenswerte Verschlankung. Heißt der Zweitliga-Meister aber EHC München und Bietigheim Steelers, ergäben sich neue Standortchancen - in der bayrischen Landeshauptstadt, 2000 mit den München Barons Meister, oder aber in Stuttgart. Das wäre ein weiterer Schritt zur reinen Großstadtliga.


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und der Rest wird sich heute abend zeigen.






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