Rhein-Neckar-Zeitung:
Mit neuer Hierarchie zum alten Erfolg?
Harold Kreis soll den Adlern Struktur und System verleihen - Am Freitag kommt der EHC München zum Saisonstart
Von Rainer Kundel
Mannheim. Die Adler Mannheim starten am Freitag in die vierte Saison nach ihrer letzten deutschen Meisterschaft 2007. Schon die beiden Heimspiele am Wochenende gegen den EHC München (Freitag, 19.30 Uhr) und die Straubing Tigers (Sonntag, 18.30) werden einen ersten Eindruck vermitteln, ob die neue Philosophie des Klubs eine Zukunft hat.
>Ausgangslage & Erwartungen: Mit Harold Kreis ein neuer Trainer, der seinen Assistenten Mike Schmidt aus Düsseldorf mitbrachte, mit der bisherigen ,,Feuerwehr" Teal Fowler als neuem Team Manager und dem langjährigen Sport Manager Marcus Kuhl mit neuen, eher repräsentativen Aufgaben als Sportdirektor im Hintergrund gehen die Adler neu auf gestellt in die Saison. Nur mit sechs ,,echten" Neuzugängen, aber mit fünf ehemaligen Jungadlern, dafür jedoch elf Abgängen, soll eine neue Philosophie und Hierarchie im Team aufgebaut werden. ,,Wir mussten Platz schaffen für Talente", so Teal Fowler. Auch so lassen sich fünf Vertragsauflösungen begründen. ,,Wir glauben, dass die Mischung stimmt", blickt Fowler nach vorläufigem Abschluss der Transfers auf den neuen Kader mit acht Spielern über 30, aber auch acht Spielern unter 23 Jahren.
>Tests & Tore: Die Spiele um die European Trophy waren das anspruchsvollste, was in Mitteleuropa als Vorbereitung möglich ist. ,,Wir wurden mental und physisch gefordert und wissen jetzt, an was wir noch arbeiten müssen", war Harold Kreis von den Gegnern angetan und nahm dafür bewusst weniger Trainingseinheiten in Kauf. Nach den ansprechenden Heim Vorstellungen gegen schwedische Teams meinte ein hiesiger Lokalredakteur, der weniger von Berufs wegen denn als Fan die Auftritte der Adler verfolgt: ,,Das sieht ja wieder nach Eishockey aus..."
>Torhüter: Fred Brathwaite bleibt auch in seinem dritten Jahr eine Bank. Aber dem bald 38 jährigen Goalie könnte die eine oder andere Verschnaufpause gut tun. Mit Lukas Lang (24) steht ein zweiter Mann parat, der bedenkenlos zwischen die Pfosten gehen kann. Selten hatte der Klub einen stabileren zweiten Mann. Lang ist der Sohn des früheren tschechischen Weltklasse Torhüters Karel Lang.
>Verteidiger: Defensiv wird sich der einstige Verteidiger Harold Kreis bei dem einen oder anderen seiner Nachfahren mehr Konsequenz wünschen, aber die neu eingeführte Zonen Defensive braucht noch etwas Zeit der Systemumstellung. Neuzugang Robert Dietrich (24) ist ein Gewinn. Er soll für den Beginn einer Epoche stehen, die jüngeren deutschen Spielern - auch als Rückkehrer aus Nordamerika - den Wechsel zu den Blau Weiß Roten schmackhaft machen soll. Die schwere Verletzung von Routinier Butenschön (Kreuzbandriss) muss aufgefangen werden. Zunächst soll Rückkehrer David Cespiva (24) die Lücke füllen.
>Stürmer: Hier sind die Reihen nicht mehr so talentiert und üppig wie in den Vorjahren besetzt. ,,Wir erwarten von unseren Ausländern eine Steigerung, sie haben mehr Eiszeit gefordert, nun können sie ihren Wert für die Mannschaft zeigen", kommentiert Teal Fowler die Zusammensetzung der Angreifer. Ob eine vierte Reihe mit 18 bis 20 jährigen ehemaligen Jungadlern zukunftsfähig ist und welche Spielanteile sie erhält, muss sich noch zeigen, wenn die Spiele eng werden und die Mannschaft unter Druck steht. In seiner zweijährigen Zeit als Trainer in Düsseldorf fiel Kreis nicht gerade als Nachwuchsförderer auf, mangels Talenten und unter Erfolgsdruck ließ er zumeist nur mit drei Reihen spielen. An der neuen Rolle von ,,Künstler" Nathan Robinson, der sich auch als Unterzahlspieler ins Team einbringen muss, werden aber die Vorstellungen von Harold Kreis deutlich. ,,Wir haben derart oft Unterzahl gespielt, da wäre er ja kalt geworden", beschrieb Fowler das Mehr an Eiszeit für ,,Robo", der in der Mannschaft zuletzt als Egoist aneckte und einen zweiten Puck brauchte, um seinen Spieltrieb auszuleben. ,,Ich bin nicht für den ständigen Wechsel, die Reihen werden bleiben wie in den Testspielen", kündigt Kreis feste Formationen an. Mit dem zuletzt aus Kassel verpflichteten Nationalspieler Manuel Klinge (26) hat der Klub eine weitere Option im Überzahlspiel.
>Trainer & Umfeld: Als sich Gesellschafter Daniel Hopp nach dem Fehlgriff Doug Mason wieder einmal mit dem Thema neuer Trainer beschäftigen musste, war ihm klar. ,,Keine Frage, der nächste Schuss muss sitzen." Da blieb nur noch Harold Kreis übrig. Die Erwartungen an ihn sind hoch. Er steht für akribisches und seriöses Arbeiten, hat dem Team Struktur verliehen und steht für eine straffe Teamführung.
>Fazit & Prognose: Die Adler werden ihre Schwächen ratierlich abbauen, reihen sich mit vier, fünf weiteren Klubs ins Verfolgerfeld der Titelfavoriten Eisbären Berlin und ERC Ingolstadt ein. Vorrundenplatz vier bis sechs sowie das Halbfinale sind maximal erreichbar.


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