Mannheimer Morgen
Freundschaft zwischen den Trainern
Mike Schmidt tickt wie sein "Chef"
In den 1990ern mussten die Manager in der deutschen Eishockeyszene keine Unsummen investieren, um großen Erfolg einzukaufen. Das Geld war in einem einzigen Spieler gut angelegt: in Meistergarant Mike Schmidt. Der neue Co-Trainer der Adler brachte das Kunststück fertig und gewann gleich sechs DM-Titel in Folge.
Zunächst holte der 49-Jährige unter Hans Zach vier Meisterschaften nach Düsseldorf, danach stand er mit dem EC Hedos München ganz oben. Und sogar vom Aus des bayrischen Klubs sollte Schmidt ein Jahr später profitieren. Er wechselte zu den Kölner Haien. Was am Ende der Saison passierte? Klar, der Deutsch-Kanadier durfte erneut den Pokal in die Höhe stemmen.
"Ich denke, dass ich von dieser Geschichte auch als Trainer profitieren kann", sagt Schmidt. "Ich weiß, worauf es ankommt, um eine Meisterschaft zu gewinnen." Selbst als Spieler sei dies ein - teils schmerzhafter - Lernprozess gewesen. Denn in Düsseldorf stellte sich nicht gleich der gewünschte Erfolg ein. Einmal war das Halbfinale Endstation, dann gab's das Aus in der Endspielserie.
"Doch aus all den Rückschlägen haben wir die richtigen Schlüsse gezogen", betont Schmidt und erzählt von einem bestimmten Mosaikstein: "Ich kann mich gut an die Enttäuschung gegen Rosenheim erinnern. Bei einer Heimpartie mussten wir mit drei Verteidigern antreten, weil zwei Abwehrspieler gesperrt waren. Sie standen mit Tränen in den Augen in der Kabine und haben sich bei der Mannschaft entschuldigt. Im nächsten Jahr haben wir uns keine Disziplinlosigkeiten mehr erlaubt."
Gemeinsame Vergangenheit
Bei den Adlern wird sich Schmidt um die Verteidiger und die sogenannten Special Teams kümmern. "Überall, wo Mike bisher gearbeitet hat, standen die Über- und Unterzahlformationen an der Spitze", unterstreicht Harold Kreis. Der "Chef" ist voll des Lobes über seinen Assistenten, zu dem er eine enge Freundschaft pflegt: "Mike ist einfach ein Fachmann - und er ist loyal", sagt Kreis, der mit Schmidt von 1982 bis 1984 zusammen beim Mannheimer ERC verteidigte. Dann ging der eine nach Düsseldorf, der andere wurde in Mannheim ein Denkmal. "Ich habe mich hier wohl gefühlt. Es gab für mich keinen Grund zu wechseln, da ich eine tragende Rolle ausgefüllt habe", berichtet Kreis.
Bewunderung für Kreis
Andreas Niederberger, Roy Roedger oder Mannix Wolf zog es später nach Düsseldorf, Kreis blieb. "Ich habe mitbekommen, dass bei der DEG Harrys Name immer wieder gefallen ist", erinnert sich Schmidt. "Ich hätte mir ihn aber nirgendwo anders vorstellen können als in Mannheim. Es ist doch eine einmalige Geschichte, wenn Harry jetzt als ,Homeboy' zurückkehrt - obwohl er die Story gar nicht so gerne hört!"
Für Schmidt bestand zunächst die Aussicht, die Metro Stars als Headcoach zu übernehmen, später war davon keine Rede mehr. "Es war nicht die feine Art, wie die DEG mit Harry umgegangen ist. Als er entlassen wurde, war für mich klar, dass ich ihm gerne folgen würde", betont Schmidt, der bereits in Nürnberg und Hamburg Erfahrungen als Cheftrainer sammelte und irgendwann wieder in der Verantwortung stehen möchte - aber nicht zurzeit. "Jetzt tue ich alles, um Harry zu unterstützen. Wir ergänzen uns gut", sagt der "Co", der sich mit seinem Chef auch abseits der Bande gut versteht: "Wir gehen abends gerne zusammen essen und fachsimpeln oder unterhalten uns über Musik."
Schon als Spieler habe sich Kreis viele Dinge angeeignet, die Voraussetzung dafür seien, ein guter Trainer zu werden. "Die meisten Jungs haben ihren Job sehr locker genommen, Harry hat sich aber schon als MERC-Kapitän über vieles Gedanken gemacht", erzählt Schmidt.
Die Situation bei den Adlern vergleicht er mit jener Ende der 80er, Anfang der 90er in Düsseldorf oder mit der in Berlin in den vergangenen Jahren - auch dort stellte sich der Erfolg nicht über Nacht ein, sondern es wurde eine Mannschaft aufgebaut und sinnvoll ergänzt. "Die Jungs sind heiß. Einigen merkt man an, dass sie etwas gutmachen wollen", meint Schmidt zum Adler-Jahrgang 2010/2011. Der Meistergarant muss wissen, was er sagt.



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