Mannheimer Morgen:
Eishockey: Der Adler-Trainer besetzt einen Tag vor dem Saisonstart gegen München das Kapitänsamt
Kreis: Kink ist ein Vorbild
Von unserem Redaktionsmitglied Jan Kotulla
Mannheim. Es weht ein frischer Wind bei den Mannheimer Adlern. Das neue Trainerduo Harold Kreis und Mike Schmidt hat nicht nur das Spielsystem verändert, sondern auch an anderen Stellen Akzente gesetzt. "Ich habe mir die Freiheit genommen, den Kapitän und seine beiden Assistenten auszuwählen", berichtete Kreis einen Tag vor dem Saisonauftakt gegen den EHC München (19.30 Uhr/SAP Arena).
Die Wahl des 51-Jährigen fiel auf Marcus Kink. "Auch wenn sich Marcus darüber gar nicht so bewusst gewesen ist, er ist ein Vorbild und verkörpert die Tugenden und die Tradition des Klubs", begründete Kreis seine Entscheidung für den erst 25-Jährigen. Und wenn sich jemand erlauben kann, etwas über diese Begriffe zu sagen, ist es die Verteidiger-Legende, die von 1978 bis 1997 das Trikot mit der Nummer 3 bei den Blau-Weiß-Roten trug.
Für den dienstältesten Spieler der Mannheimer kam die Ernennung letztlich doch überraschend: "Aber natürlich ist das eine Riesenehre für mich, in meinem Alter der Kapitän der Adler zu sein." Viel ändern werde sich damit aber nicht. "Ich habe auch schon früher den Mund aufgemacht, wenn es etwas zu sagen gab. Jetzt habe ich mit Ronny Arendt und François Methot als Assistenten eine große Hilfe", ist sich der Stürmer sicher.
Höhen und Tiefen erlebt
Erfahrung hat Kink in seinen sechs Jahren bei den Adlern reichlich gesammelt, Höhen und Tiefen erlebt: Nach dem Vizetitel 2005 und dem Doppeltriumph mit Meisterschaft und Pokalsieg 2007 wurde der gebürtige Düsseldorfer ein Jahr später vom damaligen Trainer Dave King zum Kooperationspartner Heilbronn geschickt. "Er hat mir damals gesagt, dass er mir bei den Adlern nicht die Spielzeit geben könne, die ich brauchte", erinnerte sich Kink ohne Groll an diese nicht einfache Zeit zurück. Wie es seine Art ist, machte er das Beste aus der Situation und empfahl sich für die Play-offs wieder für die Adler. Nicht zuletzt deshalb reifte der inzwischen 25-Jährige zum Liebling der Fans. In der vergangenen Saison war der Stürmer einer der wenigen, der sich schon kurz nach dem enttäuschenden Aus in den Pre-Play-offs Anhängern und Journalisten stellte und dabei auch selbstkritisch hinterfragte.
"Die Wut und den Ärger wollte ich im Sommer vergessen", gab Kink zu. "So etwas möchte ich nicht noch einmal erleben", hat er sich neue Ziele gesetzt. Als größte Herausforderung sieht der frischgebackene Kapitän aber weder sein Amt, noch die Umstellung auf die Zonenverteidigung oder die Integration der Neuzugänge wie Manuel Klinge oder David Cespiva an, "sondern das Spiel gegen den EHC München".
Eine Aussage, die sein Trainer mit einem zustimmenden Nicken kommentierte. "München und am Sonntag Straubing werden versuchen, über Kampf und Einsatz in die Partie zu kommen. Doch was der Gegner tut, ist zweitrangig", verdeutlichte Kreis seine Philosophie. Natürlich werde man sich auf die Mannschaften vorbereiten, "das ist aber zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, weil es nur wenige Videobilder gibt". Zudem wurde bekannt, dass die Münchner ohne Verteidiger Daniel Hilpert auskommen müssen, der sich im letzten Test gegen Straubing am Knie verletzte.
Noch ein Grund, weshalb Kreis nicht auf die andere Mannschaft schaut, sondern lieber darauf vertraut, dass seine Schützlinge, wie in der Vorbereitung, Kampfgeist und Siegeswillen zeigen. Begriffe, die bislang auf der "Motivationspyramide" im Eingangsbereich der Kabine standen. Die große Tafel ist Fotos der sechs Meistersaisons gewichen.
"Diese Veränderung haben die Trainer und Manager Teal Fowler vorgenommen", berichtete Kink. "Ich finde das gut. Wie beispielsweise auch die kleine Lounge-Ecke, in der sich die Jungs zum Frühstück treffen und dann trainieren gehen." Wie hungrig die Adler sind, wird sich heute gegen München zeigen.


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