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Thema: Timeout: Kolumne aus der Schweiz

  1. #91
    Registrierter Benutzer Avatar von Frank #80
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    Warum erinnert mich der SCB mit seiner Einkaufs/ Verkaufs und Transferpolitik eigentlich immer wieder an das Managment der Adler?

    Zitat: "Beim SCB ist eine «Überprofessionalisierung» nicht zu übersehen: Zu viele Bequemlichkeiten für die Spieler und den Sportchef, zu wenig Mut zum sportlichen Risiko."
    Oder auch: "Dazu gehört auch ein Ende der unsinnige Politik der langfristigen Verträge , die es verunmöglicht, die Mannschaft zu erneuern und Geld für wirkliche Stars freizubekommen. Diese teuren Knebelverträge verkauft das Management ganz im Sinne von Fürst Potemkin als Kontinuität."

    Wirklich ein sehr ehrlicher Artikel der uns mal wieder verdeutlichen soll das Geld keine Tore schießt.

    Gruß Frank
    Besessenheit ist der Motor - Verbissenheit ist die Bremse.
    Zitat Rudolf Nurejew

  2. #92
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    Timeout: Nicht in Form und trotzdem Leader

    von Klaus Zaugg - Fribourg-Gottéron gewinnt gegen Biel 5:3 und behauptet Platz 1. Dabei ist die Mannschaft noch gar nicht in Form. So spielt ein heisser Titelkandidat.

    Wir erleben einen der erstaunlichsten Stilwechsel der Neuzeit. Seit dem Aufstieg im Frühjahr 1980 hat Fribourg-Gottéron immer mit dem Feuer der Offensive und der Emotionen gespielt. Und dabei so manchem Titanen heimgeleuchtet, auch dem SCB oder den ZSC Lions, um am Ende doch die defensiven Finger zu verbrennen: Fribourg-Gottéron gilt als bestes Team, das noch nie Meister geworden ist (1992, 1993 und 1994 drei Finalniederlagen)

    In November 2011 spielt Gottéron nicht mehr ein gefährliches Spiel mit, sondern eines ohne das Feuer der Offensive und der Emotionen: So unspektakulär, gut strukturiert, cool und defensiv stabil wie in der ersten Hälfte der Qualifikation 2011/12 hat Gottéron in seiner Geschichte wohl noch nie gespielt.

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  3. #93
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    Timeout: Zugs sechster Sinn für den Titelgewinn

    von Klaus Zaugg - Beim EVZ hat sich eigentlich wenig geändert: Spektakel in der Offensive, Nachlässigkeiten in der Defensive. Aber es gibt eine Entwicklung, die für die Meisterschaft entscheidend sein kann.

    Doug Shedden hat noch keine wichtige Meisterschaft gewonnen. Wie zuvor in Finnland ist er auch in seiner vierten Saison in Zug mehr Entertainer als Meistermacher: Die Zuger sind die spektakulärste Mannschaft der letzten drei Jahre. Aber jedes Mal sind sie auf der Zielgeraden (im Halbfinal) mit leeren Batterien stehen geblieben. Eigentlich kein Problem: Lieber sechs Monate Kurzweil in er Qualifikation als bloss zwei Wochen Final-Euphorie und eine kurze Meisterfeier mit Kater.

    Und doch: Wer dreimal im Halbfinal war, kann nur ein Ziel haben: Den Titel! Am Ende des Tages ist der Sport halt mehr als Zirkus. Wenn wir den EVZ dieser Saison beurteilen, dann kann es nur um die Frage gehen: Sind die Zuger diesmal besser für die Playoffs gerüstet?

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  4. #94
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    Unrentabel: Kloten sucht die «amerikanische Lösung»

    von Klaus Zaugg - Die Kloten Flyers stehen zum Verkauf. Was in Amerika längst Alltag ist, sorgt in der Schweiz immer noch für zu viel Aufregung.

    Die Kloten Flyers sind eines der besten Hockeyunternehmen im Land. Leider rentieren sie nicht. Theoretisch ist die finanzielle Lage schon seit gut drei Jahren so, dass die Bilanz deponiert werden müsste. Aber das ist im Hockeygeschäft sowieso eher die Regel und nicht eine Ausnahme. Die Kloten Flyers haben eine effiziente, schlanke Administration, eine funktionierende, konkurrenzfähige Mannschaft und die beiden Coaches Anders Eldebrink und Felix Hollenstein gehören zu den fähigsten in der Liga.

    Die Kloten Flyers spielen seit Jahren spektakuläres und erfolgreiches Hockey. Im letzten Frühjahr scheiterten sie erst im Finale am HC Davos. Die Nachwuchsorganisation gehört zu den besten in Europa und produziert so viele talentierte junge Spieler, dass es vorkommen kann, dass einer zur Konkurrenz wechseln muss, um überhaupt in der NLA zum Zuge zu kommen. Wie Damien Brunner, der aktuelle NLA-Topskorer des EV Zug.

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  5. #95
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    Timeout: Zurück ins letzte Jahrhundert

    von Klaus Zaugg - Ein wundersamer Sieg in Genf verschafft den ZSC Lions Luft im Strichkampf. Sie haben eine Zeitreise zurück ins letzte Jahrhundert gemacht.

    Heiliger Bimbam und Weihnachten im Powerplay: Servette führt 3:2 und zwei Zürcher sitzen auf der Strafbank. Die zweitletzte Minute läuft. Fünf gegen drei Feldspieler. Das muss die Entscheidung sein. Doch irgendwie bringt ZSC-Verteidiger Severin Blindenbacher – er ist eigentlich völlig ausser Form - die Scheibe aus dem Drittel raus. Auf einmal haben Jeff Tambellini und Mathias Seger nur noch Servettes hüftsteifen Riesen Goran Bezina vor sich – und 88 Sekunden vor Schluss ist der Puck zum 3:3 drin.

    Trainer Bob Hartley wird hinterher gegenüber 20 Minuten Online sagen, er habe auch in dieser Schlussphase mit zwei Mann weniger auf dem Eis an den Sieg geglaubt: «Ich sagte meinen Jungs: Go! Go! Go! Probiert es! Spekuliert! Ich hoffte, dass die Genfer versuchen würden, einfach die Scheibe zu halten und die Zeit verrinnen zu lassen, statt sofort die Entscheidung zu suchen. Und dass sie dabei passiv und unvorsichtig werden könnten. Genau das ist passiert. Wir haben Roulette gespielt und gewonnen. Das gelingt nicht oft. Aber diesmal ist es gelungen.»

    Schliesslich entscheidet Jeff Tambellini das kapitale Spiel im Penalyschiessen (4:3). Die ZSC Lions haben jetzt wieder sechs Punkte Vorsprung auf Servette und auf den Strich.

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  6. #96
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    Timeout: Warum es die Verrückten bei uns so schwer haben

    von Klaus Zaugg - Markus Bösiger (54) ist mit seinem KHL-Eishockey-Abenteuer nicht der erste Verrückte in unserem Sport. Ein Blick zurück zeigt, dass es bei uns im guten Sinne Verrückte sehr schwer haben. Aber auch, dass sie schon verblüffende Erfolge feierten.

    Die Sportkultur ist jung, dynamisch und modern. Aber gerade bei uns gibt es als ausgleichende Kraft einen provinziellen Konservatismus, geprägt durch provinzielle Besserwisser und Bedenkenträger. Die Reaktionen auf den verrückten Plan, ein KHL-Unternehmen in der Schweiz aufzubauen – auf den ersten Blick ein chancenloses Unterfangen - sind dafür ein Schulbeispiel.

    Was in Nordamerika als mutige Tat gefeiert und mit grössten Interesse und Neugier verfolgt würde (Wow!), wird bei uns argwöhnisch beäugt, ignoriert oder gar verhöhnt. Weil es die gewohnten Abläufe stört. Das amerikanische «think big» ist in unserer Kultur immer noch weitgehend fremd. Zudem haben wir bei uns nicht den lockeren Umgang mit dem Scheitern im Sport und im Leben. Anders als in Amerika kennen wir mit unserer schwerblütigen Art das lockere «Ich bin gescheitert, na und?» und die selbstverständliche Gewährung einer neuen Chance nicht. Dafür einen ausgeprägten Hang zur Häme («Wir haben es doch immer gesagt, dass das und das nicht geht.») und zum Opportunismus, wenn es doch gelingt («Wir haben immer gewusst, dass der es schaffen wird.»)

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  7. #97
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    Timeout: Eine SCB-Krise zum richtigen Zeitpunkt

    von Klaus Zaugg - Nach dem 3:4 gegen Fribourg bekommt der neue SCB-Trainer Antti Törmänen erstmals die Chance, sich als Krisenmanager zu bewähren.

    Die Playoffs sind nicht in Gefahr. Auch dann nicht, wenn der SCB am Sonntag gegen Biel die sechste Niederlage hintereinander einfahren sollten. Aber es ist statistisch die grösste Krise seit biblischen sieben Jahren (seit dem Januar 2005): Damals blieben die Berner unter dem finnischen Trainer Alpo Suhonen sechsmal hintereinander (gegen Kloten, Davos, Lugano, Lausanne, Langnau und Rappi) ohne Sieg und schafften schliesslich am 20. Februar 2005 die Playoffs erst im letzten Qualifikationsspiel mit einem 10:1 gegen Kloten.

    Es geht jetzt, sieben Jahre später, nicht um die Playoffs. Sondern primär um das Ego und die Ehre von SCB-Mitbesitzer und Geschäftsführer Marc Lüthi. Er hat am 21. Oktober Trainer Larry Huras nach einer Niederlage gegen die ZSC Lions wegen unspektakulärer Spielweise über den Kopf von Sportchef Sven Leuenberger hinweg gefeuert und den Assistenten Antti Törmänen zum Cheftrainer befördert. Es war eine Trainerentlassung ohne jede sportliche Not. Antti Törmänen löste die taktische Handbremse, gewährte mehr Freiheiten und vorübergehend hat der SCB unter dem neuen Coach mit finnischem Lauf- und Tempohockey begeistert. Schon zeichnete sich ab, dass die Entlassung von Larry Huras ein kluger Entscheid war.

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  8. #98
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    Timeout: Playouts – na und?

    von Klaus Zaugg - Erfolgreiches Pleite-Management: Servette drohen die Playouts – und niemanden kümmert es. Auch Chris McSorley kennt die Vorteile einer Playout-Teilnahme.

    Servette, der Finalist von 2008 (gegen den ZSC) und 2010 (gegen den SCB) steht vor den zweiten Playouts seit dem Wiederaufstieg von 2002. Doch Kritik oder gar Polemik gegen Trainer und Manager Chris McSorley bleibt aus. Servettes aktuelle Krise ist gleich in mehrerer Hinsicht der erstaunlichste Hockey-Misserfolg seit Einführung der Playoffs (1985/86).

    Das Publikum kümmert sich in Genf (noch) nicht um die Resultate. Der aktuelle Zuschauerschnitt pro Spiel (6644) ist sogar höher als in der Qualifikation der Finalsaisons 2007/08 (5217) und 2009/10 (6554), die Servette jeweils auf dem 2. Platz abgeschlossen hat.

    Chris McSorley hat es durch Integration ins soziale und wirtschaftliche Gefüge der Stadt Genf geschickt verstanden, sein Sportunternehmen zumindest kurzfristig weitgehend erfolgsunabhängig zu machen: Servette ist in Genf eine Institution geworden. Der Besuch der Heimspiele gehört dazu, das gesellschaftliche Ereignis ist wichtiger als der Ausgang des Spiels.

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    Diese Ausgabe der Kolumne spricht mir aus der Seele.

    Gruß Robert
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  9. #99
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    Timeout: Die weinenden Buben von Bern

    von Klaus Zaugg - Der SC Bern kann keine engen Spiele mehr gewinnen. Nicht einmal mehr gegen Langnau. Das hat es so seit dem Wiederaufstieg von 1986 nicht mehr gegeben.

    Keine Polemik. Nur Fakten. Die letzten sieben Spiele des SC Bern: Biel – SCB 3:2 n.V., SCB - Lugano 2:3 n.P., Ambri – SCB 4:3 n.V., SCB – Servette 1:2, Fribourg – SCB 5:3, SCB – Biel 5:1, Langnau – SCB 5:3

    Was fällt uns auf? Die Berner haben alle hartumkämpften Spiele verloren. Auch gegen den 8., 9., 10. und 11. der Tabelle.

    Ausruhen auf Punktepolster


    Trainer Antti Törmänen hat daraus eine positiven Schluss gezogen: «Wir haben jedes Mal nur mit einem einzigen Tor Differenz verloren wenn wir berücksichtigen, dass wir zweimal einen Treffer am Schluss ins leere Tor kassierten. Das zeigt, dass wir konkurrenzfähig sind.»

    Das ist richtig. Aber richtig ist auch: Der SCB hat seit sieben Runden keine einzige umstrittene Partie gewonnen. Jetzt ein wenig Polemik: Wenn aus dem Spiel harte Männersache wird, wenn es in der Schlussphase zum Showdown kommt, wenn Talent nicht mehr genügt, wenn Tugenden wie Disziplin, Leidenschaft, Wille und Kampfbereitschaft ebenso wichtig werden wie Tempo und Technik – dann verliert der SCB unter seinem neuen finnischen Trainer.

    Ist das nur Zufall? Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Die Berner ruhen weich auf einem schönen Punktepolster (69 Zähler), tiefer als auf Rang fünf können sie eigentlich gar nicht mehr zurückfallen.

    Auch die Niederlage in Langnau führt nicht zu Polemik und schon gar nicht zur Selbsterkenntnis, dass es wahrscheinlich ein Fehler war, Trainer Larry Huras zu feuern. Der nun schon sieben Spiele andauernde Zerfall der Leistungskultur ist beängstigend. Es geht nicht um die Niederlagen. Die gehören dazu, und Spitzenteams fahren im Januar sehr oft unerklärliche Pleiten ein. Ungewöhnlich und besorgniserregend beim SCB: Alle Niederlagen folgen dem genau gleichen Muster, eine Korrektur ist nicht gelungen. Das hat es so seit dem Wiederaufstieg von 1986 selbst in Zeiten der Krise nicht gegeben.

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  10. #100
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    Timeout: Das Gesetz des Bösen

    von Klaus Zaugg - Im Vergleich zur NHL war es nur ein Frauen-Schwinget. Aber die Spieler folgten im Spiel Fribourg gegen Zug (2:4) wieder einmal den alten Hockey-Gesetzen des Bösen.

    Um zu erklären, was bei Fribourg-Gottéron gegen Zug passiert ist, dürfen wir Kanadas Nationaldichter Al Purdy zitieren. Er hat Eishockey einmal als «Mischung aus Ballett und Mord» bezeichnet. In der martialischen Definition steckt eine der grossen Wahrheiten dieses Spiels: Der Körperangriff erlaubt auch innerhalb oder knapp jenseits der Regeln eine Strategie des Bösen: «Goon-Hockey» sagen die Nordamerikaner, wenn nicht das Spiel, sondern der Kampf, die Einschüchterung und die Provokation im Zentrum stehen. In den 1970er Jahren war «Goon-Hockey» sogar eine erfolgsversprechende Strategie. Sie hat den Boston Bruins («the big bad Bruins») und Philadelphia Flyers («Broad Street Bullies») vier Stanley Cups eingebracht. Dann ist das Eishockey über das Regelwerk auch in der NHL wieder auf das heute übliche Mass zivilisiert worden.

    Ein paar Tore und viel Prügel in Fribourg

    Womit wir bei der Frage sind: Haben Zug und Fribourg am Samstag «Goon-Hockey» gespielt? Ja und Nein. Ja, weil beide Teams dem Gesetz des Bösen folgten. In diesem Sinne war es «Goon-Hockey». Nein, weil es kein richtiges «Goon-Hockey» war. Die Härte der Zweikämpfe war im Vergleich zu echtem «Goon-Hockey» in der NHL bloss ein «Frauen-Schwinget». Wenn in der NHL hin und wieder nach dem Gesetz des Bösen gespielt wird, rumpelt es ganz anders. Im letzten Februar traten die Pittsburgh Penguins bei den New York Islanders zum «Rachefeldzug» an. Die Partie endete mit 346 Strafminuten, 21 Restausschlüssen und hinterher folgten Bussen in der Höhe von insgesamt 100 000 Dollar plus 23 Spielsperren. Dagegen ist das wunderbare Spektakel Fribourg gegen Zug geradezu eine Kindergeburtstags-Party: 187 Strafminuten, 6 Restausschlüsse. Spielsperren und eine Busse blühen allenfalls Shawn Heins für den Schlussgang gegen Timo Helbling.

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  11. #101
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    Timeout: Gottéron weint nicht mehr

    Fribourg-Gottéron hat in der denkwürdigen «Prügelpartie» gegen Zug das ruhmreiche Erbe seiner Väter verraten. Aber das Team von Hans Kossmann hat sich bereits wieder aufgerappelt.

    Viel Prügel,... ...viele Strafen... ...und einen Zuger Sieg gab es im Spitzenkampf gegen Fribourg. Nur knapp setzten sich die Berner gegen die Lakers durch. Der SCB gewann 3:2. Der Sieg der Berner war aufgrund der Spielanteile im Schlussdrittel verdient. Ambri-Piotta kann nach der fünften Niederlage aus den letzten sechs Spielen die Playouts planen. Gegen Servette ziehen die Leventiner daheim mit 0:3 den Kürzeren. Die Tessiner scheinen auch nicht mehr ganz an die Playoff-Qualifikation zu glauben. Davos feierte dank einer kompakten Leistung den sechsten Sieg in den letzten sieben Partien. Sie besiegten Lugano 3:1. Der HC Lugano hatte viele Verletzte zu beklagen. Nach zuletzt drei Niederlagen wendete Kloten die «Mini-Krise» vorerst ab. Der 4:2-Erfolg gegen Langnau war nicht unverdient. Die Langnauer zeigten zum Schluss noch eine Aufholjagd, zum Sieg reichte es aber nicht.

    Einzelrichter Reto Steinmann waltete seines Amtes. Er hat am Montag die TV-Bilder des Spiels durchgesehen und bei der Teleclub AG angefragt, ob die Kameras eventuell auch den «Schlussgang» in der letzten Minute (Shawn Heins gegen Timo Helbling) eingefangen haben. Am späten Montagnachmittag kam dann die Antwort: Nein, leider gebe es keine Bilder von diesem Zwischenfall. Mit diesem Bescheid ist die Sache erledigt. Es gibt keine Verfahren und kein Nachspiel der Partie Fribourg-Gottéron gegen Zug. Das ist richtig so.

    Für den Ausgang der Meisterschaft ist die Reaktion der Verlierer entscheidend. Dieser Verlierer ist auf der ganzen Linie Fribourg-Gottéron. Das Spiel ging 2:4 verloren und, noch schlimmer, die Zuger haben bis auf den Schlussgang (Heins vs. Helbling) in fast allen Kämpfen obenaus geschwungen oder mindestens einen Gestellten (Unentschieden) erreicht. Die grosse, alles entscheidende Frage ist also: Weint Gottéron oder zieht es die richtigen Schlüsse?

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  12. #102
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    Ein «Rampen-Schwur» beim SC Bern

    von Klaus Zaugg - Grosses Krisenspektakel beim Hockey-Zirkus SC Bern: Ein besonderes Aufeinandertreffen von Fans und Spieler soll aus den verunsicherten Bernern wieder «Hockey-Rampensäue» machen.

    Was, wenn die Trainerentlassung nicht in Frage kommt, die Stars aus Prinzip Narrenfreiheit haben und vom Management weder öffentlich kritisiert noch vom Trainer in die Schuhe gestellt werden dürfen? Nun, dann ist es Zeit für «Voodoo-Motivation».

    Selbst SCB-General Marc Lüthi ist ob der neusten Krisen-Zirkusnummer irgendwie gerührt und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «So etwas habe ich in meiner Zeit beim SC Bern noch nie erlebt.» Und er steht dem grössten Hockeyunternehmen des Landes immerhin schon seit 1998 vor.

    «Fanprotest» im Stadion

    Was ist also passiert? Der harte Kern der SCB-Fans mochte am letzten Freitag die Demütigung in Fribourg (1:6-Niederlage, 6. Auswärtspleite in Serie) nicht bis zur bitteren Neige ansehen und verliess gut und gerne zehn Minuten vor Schluss die Arena. Dieser «Fanprotest» ist sogar in den Medien gewürdigt worden. Die Geschichte, die hinterher folgte, hingegen nicht. Marc Lüthi hat sie sorgsam geheim gehalten. Das Ganze ist ihm halt ein bisschen peinlich. Andererseits ist er auch froh um die Episode: Da ja ein Trainerwechsel nicht in Frage kommt und die Stars Narrenfreiheit geniessen, bleibt als Krisenmanagement nur noch «Geisterbeschwörung».

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  13. #103
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    Timeout: Warum Berra die Meisterschaft verfälscht

    von Klaus Zaugg - Halten «Beton-Kevins» Hockey-Desperados durch? Das ist die grosse Frage vor der Schlussphase der Qualifikation. Servette bleibt Favorit Nummer 1 im Kampf um den 8. und letzten Playoffplatz.

    Biel gewinnt sein bestes Saisonspiel gegen Servette 1:0 und hat nun in den sechs Direktbegegnungen gegen die Genfer 16:2 Punkte geholt. Der Vorsprung auf den 9. Platz und Servette beträgt sechs Runden vor Schluss drei Punkte. Alles klar? Biel erstmals seit dem Wiederaufstieg von 2008 in den Playoffs? Nein, noch gar nichts ist klar.
    Bildstrecken Berra sichert Biel den Sieg

    Servette-General Chris McSorley brachte es nach dem 0:1 in Biel gegenüber 20 Minuten Online auf den Punkt: «Wir haben in sechs Spielen kein Mittel gefunden, um Reto Berra zu knacken. Inzwischen haben meine Spieler einen Berra-Komplex entwickelt.»

    Bester Goalie der Liga

    Alle Analysen beginnen und enden also bei Biels Torhüter Reto Berra. Der coole Blocker ist zurzeit mit grossem Abstand der beste Goalie der Liga und hinter Jonas Hiller die Nummer zwei der Schweizer Torhüter-Hierarchie. Ein Schlussmann, der alleine ein Spiel gewinnen kann. Kein anderer Goalie hat in dieser Saison je eine so gute Partie gespielt wie Berra beim 1:0 gegen Servette in einer taktisch hochstehenden, enorm intensiven und dramatischen Auseinandersetzung. Mit jedem anderen Torhüter hätten die Bieler verloren: 1:2 oder 1:3 oder 1:4 oder 1:5.

    Mit stoischer Ruhe hat Reto Berra jeden Puck abgewehrt. Er dominierte den Raum um sein Gehäuse herum als sei er zehn Zentimeter grösser und breiter und immer wieder verblüffte der sanfte Riese (194 cm/89 kg) durch seine Beweglichkeit. Seine grösste Tat: Er stoppte bei nummerischer Überlegenheit seines Teams den alleine durchgebrochenen Tony Salmelainen (38.). Reto Berra ermöglicht es den Bielern, weit über ihren tatsächlichen Möglichkeiten zu spielen. Er verfälscht im guten Sinne des Wortes die Meisterschaft. Mit einem gewöhnlichen Goalie stünde Biel jetzt auf Platz zehn oder elf. Alles andere als die Auszeichnung von Reto Berra zum MVP (wertvollsten Spieler) der Saison 2011/12 wäre ein Skandal.

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  14. #104
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    Timeout: Wehe, wenn der SCB Servettes Disziplin hätte

    von Klaus Zaugg - Servette gewinnt ein grosses Spiel in Bern 3:2 und kehrt auf Kosten von Biel auf den letzten Playoff-Platz zurück. Aber auch der SCB darf gerühmt werden.

    Der «Naturgewalt SC Bern» fehlt ab und an das taktische Konzept.

    Servette-General Chris McSorley lobt den SC Bern nach dem Spiel. Nordamerikanische Trainer neigen nach Siegen gerne dazu, den Gegner zu rühmen und so die eigene Leistung aufzuwerten. Aber die Analyse des Kanadiers ist durchaus zutreffend: «Dieser SCB kann in den Playoffs viel Schaden anrichten.» Nicht «wird». Sondern «kann».

    Servette wieder auf Playoff-Kurs
    Zwar wird der SCB die Playoffs bloss auf dem 4. oder 5. Platz in Angriff nehmen. Ein Rückschlag. Seit dem 8. Platz im Frühjahr 2005 haben die Berner die Qualifikation auf den Rängen 1 (2005), 2 (2007), 1 (2008), 1 (2009), 1 (2010) und 4 (2011).

    Aber die Substanz ist nach wie vor da, um «Schaden anzurichten». Servettes Sieg wird durch Berns starke Leistung tatsächlich aufgewertet. Die schnelle Führung (1:0) wiegte die Berner in falscher Sicherheit und führte zu ein paar Nachlässigkeiten, die der Gegner eiskalt zu einer 3:1-Führung nutzte. Doch dann brauste ein Sturm über die Genfer hinweg (51 Torschüsse), der eigentlich in Normalfall jede Abwehr entwurzelt und selbst gegen einen Goalie wie Tobias Stephan zu vier bis sieben Toren führt. Könnte diese Partie zehnmal wiederholt werden, so würde der SCB wohl neunmal gewinnen.

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    Timeout: SCB schaut in die Röhre: von Gunten zu Kloten

    von Klaus Zaugg - Nati-Verteidiger Patrick von Gunten kehrt aus Schweden zurück und wechselt zu Kloten. Der Transfer offenbart ein Image- und Management-Problem beim… SC Bern.

    Um den Bieler, der zurzeit in Schweden spielt, hatte sich auch der SCB bemüht. Doch zu konkreten Verhandlungen und Gesprächen über Geld ist es gar nie gekommen. Für von Gunten war von allem Anfang an klar: Bei einer Rückkehr in die Schweiz kommen nur die Kloten Flyers in Frage. In Kloten hat er sich ab 2006 zum Nationalverteidiger entwickelt, in Kloten hat er seine Freunde und in Kloten kennt er die Trainer. Die offizielle Bestätigung seines Transfers zu Kloten (Zweijahresvertrag plus Option) dürfte in den nächsten Tagen folgen.

    Damit zahlt sich für die Kloten Flyers die vorbildliche Stabilität im sportlichen Bereich (Coaches) aus: Trainer Anders Eldebrink und sein Assistent Felix Hollenstein stehen bereits in ihrer 6. Saison. Beim SCB ist Antti Törmänen für den gleichen Zeitraum schon der dritte Trainer nach John van Boxmeer und Larry Huras. SCB-Sportchef Sven Leuenberger hatte also gar nie eine echte Chance.

    Noch bis im Sommer bei Göteborg

    Mit Patrick von Gunten werden die Kloten Flyers auch nächste Saison um den Titel spielen. Der smarte, flinke Zweiwegverteidiger spielt zurzeit in der höchsten Liga in Schweden (Göteborg, 43 Spiele/4 Tore/18 Assists). In der NLA hat er seit 2005 für die Kloten Flyers in der Qualifikation in 245 Partien 131 Punkte gebucht und in 59 Playoffspielen noch einmal 28 Punkte nachgelegt.

    Verteidiger wie Patrick von Gunten können aus einem guten Team eine Final- oder sogar eine Meistermannschaft machen. Der SCB hat es bisher nicht geschafft, einen Ersatz für Roman Josi zu finden. Der überragende Stratege des Meisterteams von 2010 gehört inzwischen zur Business-Klasse der NHL-Verteidiger. Patrick von Gunten hätte ein Josi-Ersatz werden können.

    Ist SCB-Sportchef Sven Leuenberger für das Versagen im Fall von Patrick von Gunten zu kritisieren? Ja und Nein.

    Der SCB ist nicht mehr die erste Adresse

    Nein, weil es keine realistische Chance gegeben hat, den Nationalverteidiger nach Bern zu holen. Ja, weil sich die SCB-Verantwortlichen langsam aber sicher Gedanken darüber machen müssen, warum der SCB als eines der wichtigsten Hockeyunternehmen ausserhalb der NHL nicht mehr die erste Adresse auf dem nationalen Transfermarkt ist.

    Von den wichtigen Spielern, die seit 2009 auf den Markt gekommen sind (unter anderen Severin Blindenbacher, Andres Ambühl, Roman Wick, Micki Dupont, Simon Moser, Daniel Steiner, Jaroslav Bednar, John Gobbi, Maxim Noreau, Ryan Gardner, Jeff Tambellini, Glen Metropolit, Damien Brunner, Rafael Diaz, Kevin Lötscher, Thomas Déruns, Romano Lemm, Matthias Bieber, Eric Blum, Morris Trachsler, Mathias Seger, Julien Sprunger, Alain Mieville, Tim Ramholt, Dario Trutmann – die Aufzählung ist nicht vollständig) haben nur drei den Weg nach Bern gefunden: Gardner, Déruns und Lötscher.

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