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Thema: Enforcer - (zu) hohe Anforderungen an die psychische Belastbarkeit?

  1. #1
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    Enforcer - (zu) hohe Anforderungen an die psychische Belastbarkeit?

    Heute auf SPON ein interessanter Beitrag über die Diskussion über "Vollstrecker" der NHL in Nordamerika - vor dem Hintergrund der jüngsten drei Todesfälle: http://www.spiegel.de/sport/wintersp...784236,00.html

    Den Druck, für die Mannschaften so den Kopf hinhalten zu müssen, kann ich nachvollziehen - interessant wäre ein "psychologischer" Vergleich mit Goalies, die auch in exponierter Position für ihr Team kämpfen müssen - auch wenn Letztere deutlich häufigeren Belastungssituationen ausgesetzt sind.

    Schöne Grüße
    Markus Stein(Adler)
    "Wenn wir geboren werden, weinen wir, weil wir diese große Narrenbühne betreten" (King Lear)

  2. #2
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    tja, Hr. Öldorp, nachdem Sie scheinbar in Boston wohnen, sollten Sie wissen, daß auch die Bruins ein paar "professionelle Prügelknaben" in Shawn Thornton und Greg Campbell beschäftigen und daß speziell die Bruins die ganze Saison über für Ihre emotionsgeladene, oftmals raubeinige Spielweise "berüchtigt" waren. Das Dumme ist, und das wollte ich bei dieser Gelegenheit mal klarstellen, sind auch diese Jungs alles hervorragende Eishockeyspiele und haben gerade im letzten entscheidenden Spiel zum Stanley Cup einen excellenten Job abgeliefert ohne eine Strafminute zu kassieren.

    Hier wird immer so getan, als wären Enforcer irgendwelche Hinterhofschläger die man auf Schlittschuhe gestellt hat und die sonst in Ihrem Sport nichts können. Fachkenntnis sieht anders aus.

    In einer NHL wird man keinen Dollar verdienen, wenn man NUR prügeln kann. Gut, in der AHL und ECHL wird es vielleicht etwas schwammiger, wenn man die Marke von Spielern a la Jon Mirasty und Jeremy Yablonski betrachtet - übrigens in der nächsten Saison in der KHL aktiv. Ganz doll wird es dann in einer semi professionellen LNHA. Aber wie gesagt, die so genannten "Prügelknaben" aus der NHL tun zwar Ihren Job, können aber trotzdem Hockey spielen.

    hier ein weiterer Beitrag zum Thema....diesmal von jemandem der sich wirklich auskennen muss....

    http://www.torontosun.com/2011/09/03...ness-and-anger
    Geändert von Meeke19 (04-09-11 um 22:11 Uhr)

  3. #3
    you can call me Felix Avatar von Robert
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    Sie können es mit Sicherheit. Die Frage ist aber, ob sie es auch dürfen. Was war ich damals erstaunt, als Donald Brashear damals bei einer WM zum Kader des Team USA hinzustieß und seine schlummernden Fähigkeiten zeigte. Belak ist in meinen Augen ein Extrem-Beispiel - so sporadisch wie er zum Einsatz kam. Ob da Vergleiche mit Campbell und Thornton - beiden mit zweistelligen Tor- und Assistwerten - sonderlich gut gewählt sind, bezweifle ich persönlich. Für mich ist die Quintessenz des ganzen die Aussage von Brantt Myhres. Es ist eben was ganz anderes, von der Couch aus ein großes Maul zu haben, als selbst auf dem Eis die Knochen hinzuhalten. Die Jungs machen da einen der härtesten Jobs, setzen sich für ihre Mitspieler ein, wie es unsereiner nur für die persönlich wichtigsten Menschenin absoluten Notsituationen tun würde. Das Bewusstsein dafür, was die Enforcer leisten und bereit sind an Risiko einzugehen wird nicht adäquat gewürdigt.

    Natürlich ist die Aussage des Artikels keine end- und allgemeingültige Aussage. Aber es regt doch immerhin zum Nachdenken an. Ich sehe Belak jetzt mit anderen Augen und wäre froh, wenn man den vielen "unbesungenen Helden" mehr Aufmerksamkeit und Respekt entgegen bringen würde. Wenn das bedeutet, auch nur ein bißchen vom Druck der auf ihnen lastet zu mindern, wäre das in meinen Augen schon ein Erfolg.

    Gruß Robert
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  4. #4
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    na ja, wenn zumindest Shawn Thornton nicht ein "Prügelknabe" im Sinne des o.g. Berichts ist, dann weiß ich auch nicht....

    http://www.dropyourgloves.com/Fights...n=2011&Team=11

    http://www.dropyourgloves.com/Player...px?Player=4938

    ...und auch ein Wade Belak war lange Zeit ein gestandener, eingesetzter Verteidiger der Maple Leafs

    http://www.dropyourgloves.com/Player...spx?Player=250

    bei einem Defensiv-Verteidiger die Spiele und die gemachten Punkte aufzuzählen und hier, bei einem Fighter noch die PMs in Relation zu setzen ist ein Witz, sorry....

  5. #5
    you can call me Felix Avatar von Robert
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    Die Überschrift lautet:

    Enforcer - (zu) hohe Anforderungen an die psychische Belastbarkeit?

    Ein Wade Belak oder ein Derek Boogard hatten in einem ganz engen Aufgabenrahmen schlicht und einfach zu funktionieren. Kein Vorlauf - auf den Punkt 100% oder er hat versagt. Das nagt in meinen Augen mehr an der Psyche, als bei Spielern wie Thornton und Campbell, die auch anderweitig für Erfolgserlebnisse sorgen können. Das ist beileibe kein Angriff meinerseits auf die Fähigkeiten oder die Wertschätzung der beiden letztgenannten.

    Auch ich bin nicht dafür, jetzt etwas übers Knie zu brechen und das Fighting Hals über Kopf zu verdammen. Aber die Aussagen von Tie Domi sind in meinen Augen ebenfalls zu kurz gesprungen. Depressionen lassen sich nicht in wenigen Sätzen und schon gar nicht mit simpler Logik erklären. Es ist wesentlich komplexer und man sollte sich mit der Sache ebenso wenig unter Zeitdruck setzen, wie beim Thema "Sinn des Fightings". Wobei ich dem Autor letztere Intention gar nicht so ohne weiteres unterstellen mag.

    Gruß Robert
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  6. #6
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    mir verschliest sich nach wie vor der Unterschied der zwischen einem Wade Belak und einem Shawn Thornton gemacht werden soll. Nur weil Thornton jetzt mal 20 Punkte in der Saison gemacht hat. Er, Thornton der Forward im Vergleich zu Belak dem Defensiv-Verteidiger? Thornton ist definitiv der weitaus aktivere "Prügelknabe" im Vergleich (ich hasse diesen Ausdruck).
    Mir hat schon vor Monaten dieser auch im Forum gepostete reisserische Artikel über Tough Guys im nordamerikanischen Eishockey nicht gefallen. Damals tendenziös in eine Richtung und von wenig Sachkenntnis geprägt. Dieser jetzt hier ist mit Sicherheit nicht so schlimm wie der damals - aber besonders toll ist er auch nicht. Ich halte mich da lieber an die nordamerikanische Presse.

  7. #7
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    Thornton hat 79 Vorrundenspiele absolviert, ist im also im Kader etabliert, im Spielrhythmus,setzt Spiel für Spiel seine Duftmarken und hat diverse Möglichkeiten, Erfolgselerbnisse zu sammeln. Belak kam nur sporadisch zum Einsatz, musste sich permanent anbieten, auf Abruf 100% bringen und hatte eben nicht die Möglichkeit derart klare Erfolgserlebnisse zu sammeln. Dementsprechend denke ich, dass der psychische Druck für ihn ungleich größer war, als z.B. für Thornton. Deshalb finde ich, dass man die beiden schlecht miteinander vergleichen kann.

    Vielleicht findest Du ja den Link zum "reisserischen Artikel von damals - würde mich echt interessieren. Ich halte mich auch lieber an die Nordamerikanische Presse. Wenn deutsche Journalisten über die NHL schreiben ist das so, als ob man über Architektur tanzen statt reden würde.

    Gruß Robert
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  8. #8
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    das war jener...


    Prügelnde Eishockeyspieler
    Kampfmaschinen auf Kufen

    Von Torsten Schwenke
    Prügelnde Eishockeyspieler: Boxen als Wintersport

    Ring frei auf dem Eis - in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL gibt es Spieler, die vor allem einen Job haben: eine gepflegte Prügelei anzetteln. Fast jedes Team hat inzwischen einen Eisboxer im Kader, das Publikum liebt das Gehaue. Ein Vorbild für die deutschen Clubs?

    hier gehts weiter: http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,745609,00.html
    Geändert von Paige (05-09-11 um 07:34 Uhr)

  9. Folgende User bedanken sich bei Meeke19 für diesen Beitrag:

    Robert (05-09-11)

  10. #9
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    Hallo Ihr Beiden,

    mir ging es zunächst einmal nicht, die Rolle des "Enforcers" in Frage zu stellen - auch ich habe mich an den entsprechenden Einsätzen Mike Stevens' erfreut.

    Die Frage ist nur, inwiefern hier tatsächlich ein hoher Druck auf Spielern mit diesen "Aufgabenstellungen" im Team liegt ... die Zitate im (aktuellen) SPON-Artikel sollte man nicht so einfach beiseite wischen. Wenn ein Spieler tatsächlich Ängste vor den nächsten Kämpfen entwickelt, dann erwarte ich von seinem Arbeitgeber eine adäquate Reaktion - bis hin zur Entlastung des Spielers von diesen "Sonderaufgaben".

    Einen netten Begleiteffekt hat der auch heute noch auf der Hauptseite des SPON präsentierte Artikel aber doch - Eishockey wird von einer breiteren Leserschaft wahrgenommen ... die Frage sei gestattet, ob hierdurch nicht doch auch Neugier für den Besuch von Eishockeyspielen geweckt wird.

    Schöne Grüße
    Markus Stein
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  11. #10
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    Hi Markus,

    bei diesem Job dürften es wie bei jedem anderen sein. Es gibt welche die sind unglücklich mit Ihrer Arbeit, ärgern sich Magengeschwüre dran, oder haben psychische Probleme....diesen Vertretern ist ganz klar geraten: sucht Euch was Anderes, einen anderen Verein / Arbeitgeber, ändert einfach was.

    Aber gemessen an der Anzahl von Leuten die mit Ihrem Job glücklich sind oder zumindest keine ernsteren Probleme damit haben, ist die Zahl derer MIT Problemen verschwindent gering.

    Wie ich Dir schon sagte befasse ich mich jetzt seit fast 10 Jahren mit dem Thema, lese darüber, Videos (zwecks Recherche) etc. und ich könnte Dir Dutzende wenn nicht hunderte Nennen denen Ihre Rolle als Enforcer mit Sicherheit Spass macht, die sogar drin aufgehen. Schau Dir mal ein Tie Domi währende einem Spiel an, wenn der einen angemacht hat...da ist kein Frust, kein Zwang dabei....das ist purer "Spass".

    Wenn ein Brantt Myhres nachts nicht mehr schlafen kann, gar "Todesangst" hat aufgrund der Tatsache, daß er evtl. am nächsten Abend fighten muß, dann muß er sich einen anderen Job suchen. Genau wie ein Versicherungsvertreter der nicht damit klar kommt, daß er im Jahr Summe X an Abschlüssen liefern muss und deswegen Magengeschwüre vom Stress hat.

    Mich ärgert die Verallgemeinerung. Gut, tragisch daß jetzt 3 Leute der gleichen Spielerkategorie auf verschiene Art und Weise gestorben sind...aber warum jetzt gleich alles in Frage stellen. Nächstes Jahr sind es, Gott möge es bewahren, 3 Top-Scorer - hören wir dann auf Tore zu schießen, weil alle vom Trainer getrieben werden Punkte und Punkte zu machen.

    Ich finde die Aussagen von Tie Domi zu Wade Belak weitaus nachvollziehbarer. Wenn Belak an seiner Rolle als Enforcer zu Grunde gegangen wäre, warum bringt er sich dann Monate nach seinem Rücktritt um...rein theoretisch müsste das ja ein Eckpunkt der Erleichterung gewesen sein, es ist endlich vorbei, er hat 10 Millionen verdient...nein, der arme Mensch hatte Depressionen, aber ob das mit seiner Tätigkeit als Tough Guy zu tun hatte? Sehr fraglich...

    Außerdem haben wir ja nicht über Dich und Deine Meinung diskutiert, sondern über den Beitrag dieses Helden der diesen Artikel verfasst hat.

    Gruss Martin
    Geändert von Meeke19 (05-09-11 um 19:15 Uhr)

  12. #11
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    Zitat Zitat von Meeke19 Beitrag anzeigen
    das war jener...


    Prügelnde Eishockeyspieler
    Kampfmaschinen auf Kufen

    Von Torsten Schwenke
    Prügelnde Eishockeyspieler: Boxen als Wintersport

    Ring frei auf dem Eis - in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL gibt es Spieler, die vor allem einen Job haben: eine gepflegte Prügelei anzetteln. Fast jedes Team hat inzwischen einen Eisboxer im Kader, das Publikum liebt das Gehaue. Ein Vorbild für die deutschen Clubs?

    hier gehts weiter: http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,745609,00.html
    Der Artikel strotzt nur so von sensationsgeiler Inkompetenz und die Kommentare mancher Sensibelchen erst recht.
    Lafleur 10

    Battle of Quebec, Canadiens vs Nordiques 'Good Friday brawl'
    http://www.youtube.com/watch?v=veX55rLYAgQ&feature=fvw

  13. #12
    you can call me Felix Avatar von Robert
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    Seit mich der Eishockeyvirus befallen hat, wirkt er auch in eigentlich sportfremden Bereichen stark auf mich. So hat mich der Tod von Stéphane Morin 1998 ziemlich mitgenommen. Ich weiß nicht woran genau das lag – ob an seinem Tod oder der Angst, es könnte anderen ähnlich ergehen. Bis zu jenem Tag hatte ich das Gefühl gehabt, dass alle praktisch unverwundbar zu sein schienen. Im Frühjahr des selben Jahres war Mark Teevens überraschend gestorben. Aber da er in der zweiten Liga beim EC Bad Naheim unter Vertrag stand, bekam ich das nicht so genau mit. Trainer war damals übrigens Harold Kreis.

    Auf jeden Fall haben diese Ereignisse mein Bewusstsein und mein Empfinden für das „Wohl“ von Eishockeyspielern nachhaltig geprägt. Deshalb kann ich der Haltung von Martin ganz und gar nicht zustimmen.

    Im englischen Forenteil gab es einen Artikel, bei dem mich ein Absatz – auch im Blick auf den Fall Robert Enke sehr berührt hat.

    If a professional hockey player, beloved by teammates and supported without reservation by an attentive team willing to spend anything on its players' well-being, can succumb to clinical depression and kill himself to escape the disease, then what hope is there for the millions who suffer silently and without resources or a strong network dedicated to helping them?
    EINFACH etwas zu ändern ist in derlei Fällen in meinen Augen aber nicht so leicht, wie es in anderen Berufen ist. Oft haben sie eine richtige Berufsausbildung zugunsten der Profikarriere vernachlässigt. Und wenn das den Spieler umgebende Netzwerk eben nicht so stabil aufgebaut ist, wie es sein müsste, hat der Spieler ein ernsthaftes Problem.

    Ich will jetzt beileibe keine Sammelaktion für depressive ex-Goons ins Leben rufen. Ein bisschen mehr Verständnis für die außergewöhnlichen Umstände wäre aber in meinen Augen nicht zu viel verlangt. Gerade von Leuten, die eng mit der Materie vertraut sind. Ich kann Tie Domi und seine Loyalität gegenüber dem Eishockey und der NHL absolut nachvollziehen.

    Aber gut gemeinte Worte allein helfen da nicht weiter. Und Verweise auf die ohne gravierende Probleme durch Arbeitsleben schreitende Mehrzahl, helfen der betroffenen Minderheit genauso wenig.

    Ich schätze mal Georges Laraque gehört auch zu dem Dutzend oder den hunderten, die in ihrem Job aufgehen oder gingen. Die Jungs können sich doch gar nicht erlauben irgendeine Schwäche zu offenbaren. Inwiefern man da den Aussagen oder Ausstrahlung der einzelnen Spieler vertrauen kann ist für mich zumindest zweifelhaft. Bei den Enforcern spielt Respekt eine wahnsinnig große Rolle, weshalb ich gerade Laraque seine jüngsten Äußerungen sehr hoch anrechne.

    Deine Aussage bezüglich Brantt Myhres empfinde ich als ziemlich respektlos und kalt – eine Verallgemeinerung dieser speziellen Spielergattung, mit den übrigen ist in meinen Augen nicht so ohne weiteres möglich. Wieviele Todesfälle sind denn nötig, damit man das Ganze mal in Frage stellt? Sind drei zu wenig? Und ist „in Frage stellen“ schon ein derartig bedrohlicher Dämon für das Fighting im Eishockey, dass man ein Diskussion im Keim ersticken muss?

    Ich finde die Aussagen von Tie Domi zu Wade Belak weitaus nachvollziehbarer. Wenn Belak an seiner Rolle als Enforcer zu Grunde gegangen wäre, warum bringt er sich dann Monate nach seinem Rücktritt um...rein theoretisch müsste das ja ein Eckpunkt der Erleichterung gewesen sein, es ist endlich vorbei, er hat 10 Millionen verdient...nein, der arme Mensch hatte Depressionen, aber ob das mit seiner Tätigkeit als Tough Guy zu tun hatte? Sehr fraglich...
    Depressionen sind nicht logisch und da kann man nicht mit Sätzen kommen, die mit „theoretisch müsste ...“ beginnen. Ja, es ist fraglich, ob das unbedingt mit dem Fighting zu tun haben muss. Aber dieser ablehnende Unterton gefällt mir ganz und gar nicht. Ich empfinde das, bei aller Liebe für Fights nach den guten, alten Regeln, menschenverachtend. Vielleicht meinst Du es aber auch gar nicht so, wie ich es gerade interpretiere und kannst es aufklären. Ich würde mich in dem Fall wirklich sehr gerne in meiner Einschätzung irren. Gerade weil Dein heutiger Beitrag über die ungeschriebenen Gesetzte des Fightings mir so aus der Seele gesprochen hat.

    Gruß Robert
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  14. #13
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    Ganz ehrlich Robert, wir können da tagelang diskutieren, wir kommen da nicht zusammen. Ich werde auch nur in einer Diskussion nicht befürworten, daß man womöglich jetzt nach diesen dramatischen Ereignissen der letzten Monate das nordamerikanische Eishockey genauso tot reglementiert, wie es in den letzten 10 Jahren in Deutschland passiert ist. Man soll den Spielern, die es brauchen jedwede Hilfe geben, die sie benötigen, aber deswegen eine jahrzehnte alte Tradition kippen und womöglich das Fighting ganz raus nehmen oder wie bei uns über Gebühr bestrafen - nö, bin ich nicht dafür - und das wird auch in der NHL nicht passieren. Nach wie vor, keiner der in Frage kommenden Spieler wird dazu gezwungen, das zu tun, womit er letztendlich sein Geld verdient. Wir sind nicht mehr im alten Rom, wo Sklaventreiber die Gladiatoren gegen deren Willen in die Arenen treiben, damit diese sich gegenseitig den Kopf einschlagen. Sie verdienen Ihr Geld damit, jeder macht das freiwillig und wenn einer mit seinem Job nicht mehr klar kommt, dann muß er aufhören - genau wie jeder andere Arbeitnehmer außerhalb des Sports, der Probleme in seinem Job hat.

    Diese Betroffenheit in Bezug auf Brantt Myhres kann ich nicht nachvollziehen. Wenn einer wirklich ohne Übertreibung sagt, er hätte "Todesangst" vor seinem nächsten Einsatz so ist das mit Sicherheit schlimm, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß dies der breiten Masse dieser Spezies so geht. Jetzt sage ich mal ketzerisch...wieviel Todesfälle sind denn nötig, daß man mal den ganzen Motorsport in Frage stellt, daß Berufsboxen, oder selbst den Profifussball? Wenn wir so anfangen, dann sollten wir JEDEN Sport in dem der Akteur Kopf und Kragen riskiert und in dem es weit mehr solch schlimmer Vorkommnisse gegeben hat als im Eishockey in Frage stellen.

    Ganz ehrlich ein weitaus größeres Problem als das Fighting ist für mich die immer umfangreicher werdende Ausrüstung und den Ausbau der Möglichkeiten für die allseits bekannten "Monster-Checks". Das sind die Gelegenheiten wo ich schön öfter dachte, Oh Mann, wenn da mal nicht einer auf der Strecke bleibt.

    das war es jetzt von meiner Seite, denn so langsam wirds anstrengend...wenn man halt keinen Konsens findet, dann muß man es irgendwann bleiben lassen.

  15. Folgende User bedanken sich bei Meeke19 für diesen Beitrag:

    Robert (06-09-11)

  16. #14
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    Wir sind gar nicht so weit auseinander wie es den Anschein haben mag.

    Für mich ist die Aussage, dass niemand zu dem Job gezwungen wird nicht falsch. Aber sie kehrt die Probleme nur unter den Teppich und löst sie nicht dauerhaft. Und ja, sie müssen sich einen anderen Job suchen. Nur genau der Prozess, dass der betroffene Spieler es versteht, akzeptiert und umsetzt ist doch das große Problem. Und für diese vielen, kleinen Schritte gibt es keine Musterbeispiele. Weil das Thema bislang nicht an die Öffentlichkeit gelangte. Diejenigen, die das Glück hatten, es bis zum Karriereende durchzuziehen oder den Absprung geschafft haben, verspürten bislang verständlicherweise nicht den Wunsch oder Druck, anderen helfen zu können oder zu müssen. Denn bislang ist es ja anscheinend glimpflich abgelaufen. Genau da will ich, dass die Hilfe ansetzt und nicht im Ligabüro. Fighting gehört zum Eishockey dazu. Es hatte früher nachvollziehbare Auslöser – heute habe ich das starke Gefühl, dass es von einigen schlicht und einfach missbraucht wird.

    Man denke an die Rivalitäten zwischen den „Schwergewichten“ wie z.B. Bob Probert und Tie Domi , Szenen wie die mit Reul und Clowe, als letzterer sich für seinen Captain Patrick Marleau einsetzte, Darcy Tuckers Spießrutenlauf nach dem üblen Check gegen Pavel Bure oder Max Talbots Weckruf fürs eigene Team beim Kampf gegen Daniel Carcillo - diese Geste nicht zu vergessen – Eishockey wäre nicht mehr das selbe ohne Fights. Aber sie dürfen eben auch nicht missbraucht werden. Deshalb bin ich dafür die Hilfestellung abseits des Eises so weit wie möglich auszubauen, aber das Spiel selbst nicht zu beschneiden. For the good of the game.

    Die letzten zehn Jahre in der DEL sind ohne Frage hausgemacht. Mit den Veränderungen des Ausländerregelungen sind die Verantwortlichen einfach nicht mehr mitgekommen und haben panisch reagiert. Es gibt etliche Szenen in denen sich das leider heute immer wieder aufs neue zeigt. Aber es gibt eben auch die Kehrseite der Medaille. Dass die Spieler zeitweilig jedwede Form des Anstands und des Respekts gegenüber Gegnern und Schiedsrichtern verlieren. Und genau da finde ich, sollte eben weder die eine oder andere Seite auf den Kontrahenten zeigen, um die Schuld zuzuweisen.

    Am Sonntag haben die Schiedsrichter in der Schlussphase auf der ganzen Linie versagt - das muss aufgearbeitet werden. Aber man darf auch nicht unter den Teppich kehren, dass sich beide Mannschaften ebenso wenig mit Ruhm bekleckert haben. Die versuchten die Grenzen auszuloten und haben sie am Ende überrannt – weil es einfach möglich war.

    Brannt Myhres Aussage macht mich einerseits betroffen – aber andererseits habe ich einen riesigen Respekt vor seinem Mut, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Man muss das Eishockey deshalb nicht von heute auf morgen kastrieren und zum blitzsauberen Familiensport verwandeln. Aber die Sportart Eishockey oder die Marke NHL sollte genug Selbstvertrauen haben, um sich einer ernsthaften Diskussion zu stellen. Standpunkte einnehmen und mit allen Mitteln verteidigen. Aber dieses Einigeln ins Schneckenhaus, auf das sich die Probleme mit der Zeit von alleine lösen, wenn Gras über die Sache gewachsen ist – das hat nichts mit dem Spirit des Eishockeys zu tun. Da stellt man sich den Problemen mit offenem Visier. Bei den Fights auf dem Eis lieben wir das, aber Gespräche fürchtet man wie der Teufel das Weihwasser. Das passt einfach nicht zusammen.

    Und die in meinen Augen wirklichen Baustellen von Rypien, Belak & Co lagen abseits des Eises.

    Beim Thema Checks finde ich, dass Scott Stevens da Maßstäbe gesetzt hat, mit denen die meisten – außer Eric Lindros – gut leben können. Checks, die gezielt gegen den Kopf gerichtet sind, sollten härter bestraft werden. Unglückliche Situationen wird es immer geben. Der gegenseitige Respekt, die Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen haben in meinen Augen in den letzten Jahren nachgelassen. Und die NHL hat das mit nicht immer nachvollziehbaren Strafmaßen ungewollt gefördert. Ich hoffe, dass Shanahan da frischen Wind in den Laden bringt. Schließlich hat er schon in jungen Jahren die unterhaltsamste aller Kurzbeschreibungen über Hans Zach abgeliefert:

    “This guy has no idea of playin’ hockey!“

    Gruß Robert
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    Derek Boogaard: A Boy Learns to Brawl
    By JOHN BRANCH
    Published: December 3, 2011


    DEREK BOOGAARD was scared. He did not know whom he would fight, just that he must.
    Opportunity and obligation had collided, the way they can in hockey.

    His father bought a program the night before. Boogaard scanned the roster, checking heights and weights. He later recalled that he barely slept.

    A trainer in the dressing room offered scouting reports. As Boogaard taped his stick in the hallway of the rink in Regina, Saskatchewan, he was approached by one of the few players bigger than he was. Boogaard had never seen him before. He did not know his name.

    “I’m going to kill you,” the player said.

    The scrimmage began. A coach tapped Boogaard on the shoulder. Boogaard knew what it meant. He clambered over the waist-high wall and onto the ice.

    He felt a tug on the back of his jersey. It was time.

    The players flicked the padded gloves from their hands. They removed the helmets from their heads. They raised their fists and circled each other. They knew the choreography that precedes the violence.

    Boogaard took a swing with his long right arm. His fist smacked the opponent’s face and broke his nose. Coaches and scouts laughed as they congratulated Boogaard.

    He was 16.

    Hier gehts weiter
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  18. Die folgenden 4 User haben sich bei Robert für diesen Beitrag bedankt:

    #22 Forbes (07-12-11), Anyanca (07-12-11), Feuchter Bandit (07-12-11), Tomlinson (16-03-12)

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