Die Rheinpfalz schreibt:
Mit 40 Jahren noch im Adler-Tor?
Torwart-Oldie Brathwaite möchte eine weitere Saison spielen
Von Oliver Wehner
Mannheim. Freddy Brathwaite, Ausnahme-Torwart der Adler Mannheim, hat sich für seine Verhältnisse diesmal früh festgelegt: Der 39-Jährige möchte noch eine Eishockey-Saison an seine große Karriere dranhängen - und zwar am liebsten in Mannheim.
„Ich will eine weitere Saison spielen, die Adler sind meine erste Wahl. Aber sie haben mit mir noch nicht geredet”, verriet Brathwaite gestern der RHEINPFALZ. „Mein Körper fühlt sich gut an, es gibt keinen Grund, ans Aufhören zu denken”, unterstrich der Kanadier aus Ottawa, dessen Familienwurzeln in Barbados liegen.
Die Adler halten sich bedeckt. Gerüchte besagen, dass der Augsburger Tyler Weiman und Nationalgoalie Dennis Endras Kandidaten für die Nachfolge des ehemaligen NHL-Torwarts sind. So oder so: Brathwaite hat in Mannheim eine Ära geprägt, ist einer der wenigen Topstars der gesamten Liga und ein Publikumsliebling. Eine echte Persönlichkeit!
Wir haben die Geschichte vor ein paar Jahren schon mal erzählt, aber sie ist schön und charakterisiert den Menschen Freddy Brathwaite auch ganz gut. Also: Es war einmal ein kleiner Junge in Ottawa, der kanadischen Hauptstadt - Jordan Dale. Der Neunjährige hatte gerade mit dem Eishockeyspielen begonnen, als Torwart. So kam der gewitzte Junge auf die verwegene Idee, einfach mal alle 56 damaligen Goalies der National Hockey League über deren Klubs anzuschreiben und sie zu bitten, ihm ein paar Tipps und Tricks zu verraten. Aus New Jersey erhielt er immerhin Magnetsticker für den Kühlschrank, und die Montreal Canadiens schickten Jordan Autogrammkarten ihrer Torhüter. Das war's aber schon.
Aus Calgary kam auch kein ersehnter Brief. Aber etwas viel besseres! Der damalige Torwart der Calgary Flames hieß - Fred Brathwaite. Der suchte die Telefonnummer des Jungen heraus. So klingelte es im fernen Ottawa, der NHL-Star verlangte den neunjährigen Jordan Dale. Dessen Vater berichtete, dass Jordan dermaßen in Ehrfurcht erstarrt war, dass er den Inhalt des 20-minütigen Telefonats später nicht im Detail wiedergeben konnte. Aber am nächsten Tag habe er so gut gespielt wie noch nie ...
Auch wenn Brathwaite, der im November 40 wird, nun seit 2008 in Deutschland bei den Adlern spielt - sein Name ist in Nordamerika immer noch bestens bekannt. Redet man etwa in Kanada mit Eishockey-Freunden über Brathwaite, dann wundern sich viele gar, dass einer wie er in Deutschland gelandet ist. Der Goalie aber fühlt sich wohl in Mannheim. Und nach einem schwierigen Saisonstart hat er auch fast wieder gewohntes Niveau erreicht. „Es geht immer noch besser, ich will konstant bleiben”, betont er und deutet an, dass es für ihn auch keine „unhaltbaren” Gegentore gibt: „Ich frage mich bei jedem Gegentreffer: Was hätte ich tun können, um ihn zu verhindern?”
Wenn er sich das am Freitag (19.30 Uhr) in Augsburg und am Sonntag im Schlagerspiel gegen die Eisbären Berlin (19.05 Uhr, SAP-Arena) möglichst selten fragt, dann sind die Adler nach zuletzt zwei Niederlagen wieder auf dem richtigen Weg ...
Zur Sache
Eisbären setzen sich ab
Auch Ex-Adler Scott King konnte den Mannheimern am Dienstagabend mit seinen zwei Toren nicht helfen: Hannover verlor 2:3 gegen die Eisbären Berlin, der Titelverteidiger baute seinen Vorsprung an der Spitze auf vier Punkte aus - und hat gegenüber den Verfolgern (Mannheim, Ingolstadt, Hamburg) sogar ein Spiel weniger absolviert. Wegen Christoph Ullmanns Verletzung wird bei den Adlern Niko Dimitrakos auf die Centerposition rücken. Jungstürmer Richard Gelke (19) aus Heilbronn wird wohl für die Mannheimer lizenziert. (olw)



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