Mannheimer Morgen
Stürmer der Eisbären absolvierte gestern in Nürnberg seine 900. DEL-Partie im Trikot der Berliner
Urgestein Felski lässt sich feiern
37 Jahre alt ist Sven Felski inzwischen. Das Erstaunliche daran ist nicht, dass der Stürmer bei den Eisbären noch immer einer ihrer Leistungsträger ist. Nein, außergewöhnlich ist, dass er gestern, bei der Partie des Tabellenführers der Deutschen Eishockey-Liga bei den Nürnberg Ice Tigers (2:6), zum 900. Mal für den Hauptstadtklub auflief. Sein Jubiläum sollte aber keine Zirkusveranstaltung werden, auch wenn ihm in Nürnberg für das erste Drittel die Rückennummer 900 genehmigt wurde.
Mit elf Jahren wechselte Felski vom Eiskunstlauf zum Eishockey. Es war der letzte Wechsel in seiner Sportlerkarriere. Der Fall Felski ist mittlerweile im deutschen Eishockey kaum noch denkbar. Läuft es nicht, wird rausgeworfen, müssen Coach, Manager und Spieler gehen. Auch Felski hat Trainer kommen und gehen sehen, 19 an der Zahl. Doch auch wenn der Klub mittlerweile der milliardenschweren Anschutz-Gruppe gehört, hat er versucht, seinen Charme zu bewahren. Der Jubilar sagt: "Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt. Sonst erreichst du keine 900 Spiele."
Kreis und Kink zollen Respekt
Einer, der da mitreden kann, ist Mannheims Eishockey-Urstein Harold Kreis. 891 Partien hat er in 19 Jahren für die Blau-Weiß-Roten absolviert, kehrte 2010 als Trainer zurück. "Diese Beständigkeit wird immer seltener werden. Sven ist einer der Spieler der eine starke Verbundenheit mit seinem Verein ausstrahlt", zollte Kreis dem Berliner Respekt. Gleiches gilt für Marcus Kink. Der Kapitän der Adler würde die 900er Marke gerne in Mannheim knacken. Trotz seiner 27 Jahre bringt es der Stürmer bereits auf 491 DEL-Einsätze: "Sven hat eine Wahnsinnskarriere hingelegt und ist ein Aushängeschild."
Schuld daran, dass Felski Eishockeyprofi wurde, waren die Berliner Preussen. Kurz nach dem Mauerfall fuhr er mit seinem Vater in die Eissporthalle an der Jafféstraße und verfolgte ein Bundesligaspiel: "Da habe ich mir gesagt: ,Dahin willst du auch'." Er schaffte es mit 17 Jahren in die Bundesliga. Danach gab es durchaus Gedanken, sich andernorts zu versuchen. Sogar die Preussen waren an ihm interessiert. Doch Felski blieb bodenständig - wohl auch weil er wusste, dass er nirgendwo so gut funktionieren würde wie bei den Eisbären. Hier kennt er alle, hier kennen und mögen ihn alle. Kein Wunder, dass er mittlerweile nur noch "Bürgermeister von Hohenschönhausen" genannt wird.
Felski ohne Eisbärenfamilie, das funktioniert nicht. Seine Zeit in der Nationalmannschaft hat ihm das vor Augen geführt. Da mochte ihn der ehemalige Bundestrainer Hans Zach nicht und monierte, dass "aus dem verhätschelten Berliner Kindl mal ein Berliner Bursch" werden müsse. Das ist er längst geworden und froh darüber, dass er in der Heimat geblieben ist: "In den letzten zehn Jahren wollte ich nicht mehr weg, denn nun wollten ja alle zu den Eisbären."
Finalsieg über Adler wertvoll
Felski hat sie mitgemacht, die Metamorphose von einem erfolglosen Ostklub zur Spitzenmannschaft. "Früher waren wir ein lokaler Verein", sagt er. "Heute haben wir in Berlin einen ganz anderen Stellenwert und eine tolle Halle." Das letzte Finalspiel gegen die Adler 2005, noch im Wellblechpalast und nicht in der O2-Arena, ist für "Felle" das wertvollste unter den 900. "Da wurden wir zum ersten Mal Meister."
Ob er nach der Saison weitermacht und auch die 1000 Spiele vollmacht, das entscheidet vor allem einer - er. So etwas muss man wissen, wenn man bei den Eisbären ist: Pierre Pagé etwa, Vorgänger von Don Jackson, wollte Felski einst aussortieren, musste sich aber von Manager Peter John Lee belehren lassen, "dass man den Felle hier nicht rauswerfen kann". Das hätte heftige Fanproteste zur Folge gehabt.
Beim Spiel der Eisbären in Nürnberg demonstrierten die Anhänger ihre Zuneigung zu ihrem Idol. 900 Fans begleiteten die Berliner per Sonderzug ins Frankenland - und sahen eine 2:6-Klatsche.



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