Die Rheinpfalz schreibt:
Geistige Frische entscheidet Knüller
Adler Mannheim entzaubern Spitzenreiter Berlin beim 5:2 in ausverkaufter Arena
Von Oliver Wehner
Mannheim. Das Topspiel war sehr schnell, sehr gut - aber überraschenderweise zeitweise auch sehr einseitig: Mit dem 5:2 (2:0, 2:1, 1:1) über die Eisbären Berlin vor 13.600 Zuschauern zogen die Adler Mannheim gestern Abend nach Punkten mit dem Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga gleich.
Ende der 90er Jahre, spätestens nach dem dritten Meistertitel in Folge, galten die Adler als der „FC Bayern des deutschen Eishockeys”. Längst haben diesen inoffiziellen Titel die Eisbären übernommen - fünf Meisterschaften in den vergangenen sieben Jahren, die meisten Zuschauer, die tollste Halle. Adler-Torwart Freddy Brathwaite indes kann naturgemäß als Kanadier mit diesem Fußball-Vergleich wenig anfangen. „Für mich ist Berlin wie Detroit”, bemüht er die National Hockey League (NHL), „immer ein gutes Team!”
Das stimmt zwar im Prinzip, gestern Abend allerdings fehlten dem Tabellenführer viele wichtige Spieler (Angell, Constantin Braun, Ustorf, Christensen, Rankel). Die Adler taten genau das Richtige: Sie nutzten die personelle Schwächung des großen Rivalen gleich konsequent aus. Zweite Minute: Seidenbergs klug gespielten Rückpass verwertete Niko Dimitrakos eiskalt zum 1:0. Fünfte Minute: Eisbären-Torwart Zepp ließ den Puck nach Lee-Schuss prallen, Yanick Lehoux staubte energisch zum 2:0 ab. Spätestens das erste Mannheimer Unterzahlspiel gegen die in Überzahl stärkste Mannschaft der Liga offenbarte dann die riesigen Unterschiede zum lahmen 1:3 vor einer Woche gegen Krefeld: Zielstrebigkeit, Körpersprache, Entschlossenheit, Selbstvertrauen - alles wieder da. „Dass wir die Unterzahl überstanden haben, war sehr wichtig”, befand der verletzte Mittelstürmer Christoph Ullmann, der Mitte Februar wieder eingreifen will.
Umso ärgerlicher, dass die Eisbären im Mitteldrittel durch Torjäger Darin Olver zum Anschluss kamen, als der bis dahin gute Shawn Belle einen Abpraller nicht „aufräumen” konnte. Doch das prompte 3:1 entschädigte - und begeisterte. Konter der Adler, Yanick Lehoux legte sich die Scheibe von der Rück- auf die Vorhand und versenkte sie brillant. Ein Beispiel auch für geistige Frische: Es zahlte sich aus, dass Trainer Harold Kreis seine vierte Reihe konsequent einsetzte. Umso schöner für die Talente des vierten Angriffs, dass Matthias Plachta seine Penalty-Chance gewitzt nutzte - 4:1 (32.).
Wenn jetzt noch das Powerplay geklappt hätte! So blieb nach dem 2:4 Tallacksons Restspannung - bis zum 5:2 durch Magowan ins leere Tor und zu zwei wüsten Prügeleien im ansonsten fairen Spiel. Entzündet hatten sich diese an einem üblen Check Sven Felskis zum Kopf des Mannheimers Yannic Seidenberg.
So spielten sie
Adler Mannheim: Brathwaite - Sifers, Belle; Lee, Wagner; Reul, Goc; Kettemer - Glumac, Mitchell, Magowan; Arendt, Dimitrakos, Seidenberg; Mauer, Lehoux, Kink; Plachta, El-Sayed, Gelke
Tore: 1:0 Dimitrakos (Seidenberg) 1.04, 2:0 Lehoux (Lee) 4.46, 2:1 Olver (Busch) 25.46, 3:1 Lehoux (Mauer) 26.37, 4:1 Plachta (Penalty) 31.16, 4:2 Tallackson (Felski) 42.28, 5:2 Magowan (Glumac) 58.15 - Strafminuten: 7 + Spieldauer Belle - 13 + Matchstrafe Felski + Spieldauer Busch - Beste Spieler: Sifers, Lehoux, Mauer - Sharrow, Talbot - Zuschauer: 13.600 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Piechaczek (Finning).



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