Die Rheinpfalz schreibt
Sozialkompetenz und Torhunger
Adler-Stürmer Adam Mitchell sieht trotz der Ergebniskrise keinen Grund zur Panik
Von Oliver Wehner
Mannheim. Nur ein Sieg aus den vergangenen sechs Spielen - die Adler Mannheim stecken in ihrer zweiten Ergebniskrise dieser Eishockey-Saison. „Aber es gibt keinen Grund zur Panik, es ist auch keine sportliche Krise”, entgegnet Adam Mitchell, der Topscorer des Teams. Doch er weiß: „Wir müssen am Wochenende etwas tun.”
Mitchell hat wie Verteidiger Chris Lee 35 Punkte auf seinem persönlichen Scorerkonto - zehn Tore und 25 Assists. Nicht nur deshalb kann ihm die derzeitige Situation bei den Adlern keine Angst einjagen. Er braucht zudem bloß ans Tabellenende zu schauen und sieht dort seinen Ex-Klub Hannover Scorpions. Dann weiß er: Noch sind's Luxusprobleme, die die Adler derzeit beschäftigen.
„In Köln haben wir nicht viele Fehler gemacht, aber die wurden bestraft”, blickt er zurück auf das 3:4 am Dienstag. Schon einmal, im November, lief's nicht rund. „Aber auch da haben wir an unsere Stärken geglaubt”, erinnert sich Mitchell, der privat überhaupt keinen Grund zur Klage hat. Der Kanadier wurde im Spätsommer zum ersten Mal Vater, und inzwischen „schläft meine Tochter nachts auch durch”, verrät er lachend. Mit anderen Worten: Der Mittelstürmer will hellwach auf seine eigenen Chancen lauern und anderen Chancen ermöglichen. Mit seinen 25 Torvorbereitungen ist er ligaweit in der Spitzengruppe.
Aber Mitchell zählt auch in der Kabine zum Führungspersonal. Sozialkompetenz nennt man heute wohl das, was der 30-Jährige vor zwei Wochen im Training bewies. Da lief mal wieder der gefürchtete „Bart-Wettbewerb”. Kurz erklärt: Es gibt ein Penaltyschießen, wer als Letzter ohne Torerfolg übrig bleibt, muss sich einen Monat lang einen eher uncoolen Oberlippenbart stehen lassen. Aber auch die Torhüter sind in Gefahr: Wer vier Treffer in Folge kassiert, hat ebenfalls verloren. Felix Brückmann ereilte dieses Schicksal im Herbst schon einmal, und nun also, vor zwei Wochen, da wäre ihm das nächste Tor erneut zum Verhängnis geworden. Doch der anlaufende Adam Mitchell zeigte Gnade, er lupfte die Scheibe von weitem und rettete seinen jungen Goalie so. „Keiner will diesen Bart, und Felix hatte ihn schon”, erklärt er seine - allerdings doch nicht ganz - selbstlose Tat. „Vielleicht hilft er mir beim nächsten Mal auch”, ergänzt er augenzwinkernd: „Vielleicht war es also sogar sehr eigennützig von mir ...”
Dem gesamten Team sollte Selbstlosigkeit am Wochenende abgehen. Fünf, besser sechs Punkte aus den Heimpartien heute (19.30 Uhr) gegen die Straubing Tigers und am Sonntag (14.30 Uhr) gegen die Nürnberg Ice Tigers dürfen es schon werden. Das Wort „müssen” gefällt Harold Kreis nicht so sehr - es klingt reagierend, passiv. „Wir wollen diese Spiele gewinnen”, betont der Trainer, um damit auszudrücken, dass seine fraglos talentierte Mannschaft das Heft des Handelns weiter in der Hand hat - zumal heute Abend der zuletzt wegen einer Muskelzerrung pausierende Torjäger Ken Magowan ins Team zurückkehrt. „Unsere Ausgangsposition ist weiterhin gut”, befindet auch Adam Mitchell. Doch anstatt Spitzenreiter Eisbären Berlin (76 Punkte) zu jagen, soll nun erstmal der Tabellenzweite ERC Ingolstadt (72) eingefangen werden. Die Adler sind mit 70 Zählern Dritter.
Auf den Flügel ausweichen wird Niko Dimitrakos. „Ich will ihn vom Druck der Centerposition befreien, damit er wieder mehr Eishockey spielt”, erklärt Kreis diese Maßnahme, die schon bei Yanick Lehoux fruchtete. Marcus Kink rückt auf die Mittelstürmerposition. Der Kapitän will in der Länderspielpause Anfang Februar auf die Nationalmannschaft verzichten und sich bei den Adlern auf den Saisonendspurt vorbereiten.



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