Mannheimer Morgen
Adler halten Tuchfühlung
Dank des 4:3-Sieges nach Verlängerung über die Straubing Tigers haben die Mannheimer den Abstand zu Ingolstadt und Berlin verkürzt. Heute gilt es für die Schützlinge von Trainer Harold Kreis gegen die
Nürnberg Ice Tigers nachzulegen. Ob Torhüter Freddy Brathwaite spielen kann, ist fraglich.
Gegen die Straubing Tigers hat Chris Lee wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, weshalb der 31-jährige Adler als torgefährlichster Verteidiger der Liga geführt wird. Knapp zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit war es sein Treffer zum 3:3, der es erst möglich machte, dass sich die Mannheimer in der Verlängerung immerhin zwei Punkte sichern konnten. Bei Vier gegen Vier war es erneut der ehemalige Kölner, der 30 Sekunden vor Schluss Ruhe und Durchblick behielt und den Puck zum 4:3 in die Maschen jagte.
"Ich glaube, ich habe ein bisschen zu überschwänglich gejubelt, oder?", war dem Doppeltorschützen sein Gefühlsausbruch fast ein bisschen peinlich. Typisch Lee. "In meiner Karriere habe ich noch nicht so viele Siegtore in der Overtime geschossen", schob er als Erklärung nach. Elf Tore und 27 Vorlagen hat er in den bislang 40 Saisonspielen beigesteuert, die beiden Treffer am Freitag waren enorm wichtig, nicht zuletzt, weil Tabellenführer Berlin beim 0:4 gegen Düsseldorf patzte und auch Ingolstadt in München nur einen Punkt holte. Damit sind die Adler als Dritte näher an das Führungs-Duo herangerückt.
Gegen die Straubinger zeigten die Mannheimer zwei Gesichter. Das musste auch Trainer Harold Kreis eingestehen. "Im ersten Drittel waren wir gut, aber leider haben wir in den zweiten 20 Minuten aufgehört, Schlittschuh zu laufen. Stattdessen haben wir den Straubingern zugeschaut." Mit der Folge, dass seine Schützlinge mit einem 2:3-Rückstand in die Kabine gingen. Zu Beginn schien fast alles am Schnürchen zu klappen. Arendt fälschte bereits nach 86 Sekunden den Schlagschuss von Niki Goc zum 1:0 ab. Ihre Kollegen verpassten es jedoch, die Führung auszubauen. Unter anderem scheiterte Frank Mauer am Pfosten. Die wenigen Versuche der Tigers entschärfte Freddy Brathwaite. Wahrscheinlich beim Schlagschuss von Bruno St. Jacques bekam der Routinier den Puck jedoch mit solcher Wucht an den Außenknöchel, dass er nach dem ersten Drittel nicht weitermachen konnte. Ob er heute gegen die Nürnberg Ice Tigers (14.30 Uhr) im Kasten steht, ist angesichts der schmerzhaften Prellung unsicher. Verteidiger Niki Goc fiel nach einer ähnlichen Verletzung für fast drei Wochen aus.
"Es ging alles ganz schnell", berichtete Felix Brückmann über seinen elften Saisoneinsatz. Der 21-Jährige wurde buchstäblich ins kalte Wasser geworfen. Denn die Mannheimer starteten in Unterzahl ins zweite Drittel. "Leider haben wir da total den Faden verloren, und dann habe ich auch noch zwei unglückliche Tore bekommen", blickte Brückmann auf die Treffer von Matthew Hussey und Andrew Canzanello zurück. Beim 1:1 war er machtlos, beim 2:1 hatte Adler-Verteidiger Shawn Belle die Scheibe ins eigene Tor abgefälscht. "Da muss man dann ganz ruhig bleiben. Es war toll, dass mir die Fans so toll den Rücken gestärkt haben", freute sich der Blondschopf über die Unterstützung von den Rängen. "Auszieh'n"-Sprechchöre schalten ihm entgegen, als nach dem Schuss von Carsen Germyn der Puck verschwunden war. "Ich wusste nicht, wo die Scheibe war und habe dem Schiedsrichter gesagt, wir können doch auch so weiterspielen. Aber das war ihm zu gefährlich", berichtete Brückmann. Das Spielgerät fand sich schließlich im Handschuh der Stockhand. Wenig später versenkte es René Röthke aber zum 3:1, da wurde es langsam eng für die Adler. In Überzahl brachte Adam Mitchell sein Team kurz vor der Pause wieder heran.
"Man hat gesehen, dass die Straubinger immer ein Drittel brauchen, bis ihre ,Busbeine' locker sind, dann sind sie aber brandgefährlich", formulierte Kreis die Schwächephase der Adler. "Wir haben uns in der Pause angeschaut und allen war klar, dass es so nicht weitergehen kann", gab Chris Lee einen Einblick ins Mannschaftsgefüge. Gesagt, getan. Lee besorgte mit seinen Treffern den Sieg.



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