Mannheimer Morgen

Eine Frage des Willens

Adler-Stürmer Craig MacDonald arbeitet nach seinem Kreuzbandriss mit Hochdruck am Comeback. Der 34-jährige Kanadier möchte noch vor den Play-offs ins Team zurückkehren.

Craig MacDonald ist schon wieder zu Späßen aufgelegt. "Hey, was gibt's? Ich habe gerade ein kleines Nickerchen gemacht", sagt der 34-jährige Stürmer der Mannheimer Adler, als er aus der Kabine kommt. Von wegen Nickerchen. Dem Kanadier stehen die Schweißtropfen auf der Stirn, er hat eine anstrengende Trainingseinheit hinter sich. Allerdings keine - und das tut ihm verdammt weh - mit seinen Mannschaftskollegen. Aus dem Teamplayer MacDonald ist in den vergangenen Wochen gezwungenermaßen ein Einzelkämpfer geworden. Schuld daran ist die schwere Verletzung, die sich der Angreifer am 11. Dezember 2011 beim 1:0-Sieg in Wolfsburg zugezogen hat. Die Diagnose lautete: Riss des vorderen Kreuzbands im rechten Knie - ein Schock.

"Ich hatte in meiner Karriere zwar schon eine ernsthafte Handverletzung und eine Blessur am anderen Knie, aber so schlimm war es noch nie", sagt MacDonald, dessen Führungsqualitäten und Bullystärke den Adlern sehr fehlen. Und da das Unglück selten allein kommt, hat sich mit Christoph Ullmann der zweite Mittelstürmer mit guten Quoten beim Anspiel verletzt. "Für unseren Coach Harry Kreis ist das eine schwierige Situation, vor allem, da es sich bei uns um zwei Linksschützen handelt", erklärt MacDonald, der findet: "Zuletzt hat Marcus Kink als Center aber eine gute Figur abgegeben."

Es ist so simpel wie wichtig: Wer das Bully gewinnt, kommt in Scheibenbesitz und muss sich den Puck nicht erst mit großem Kraftaufwand zurückerobern. Nicht jeder kommt mit diesem Druck zurecht. So zog Kreis beispielsweise zuletzt Niko Dimitrakos von der Mittelstürmerposition zurück auf die Außen. "Niko hat zu viel von sich verlangt. Er soll Schlittschuh laufen und Eishockey spielen - und sich nicht so viele Gedanken machen", erklärte der Trainer seine Maßnahme. Für MacDonald ist das Bullyspiel vor allem eines: eine Willensfrage: "Natürlich kannst du versuchen, deinen Gegner zu studieren, aber unterm Strich kommt es darauf an, wer es mehr gewinnen möchte", meint der Kanadier.

Dass er zurzeit zum Zuschauen verdammt ist und seiner Mannschaft nicht helfen kann, wurmt ihn sehr. "Mein Job ist es nun mal, auf dem Eis zu stehen - und nicht, täglich Gymnastik zu machen", sagt MacDonald. Ein bisschen Frust kommt bei dieser Aussage durch, doch es könnte weitaus schlimmer sein, schließlich belastet eine solch schwerwiegende Verletzung einen Sportler immer auch mental. Das weiß der Zwei-Wege-Stürmer: "Man hat gute und schlechte Tage. Insgesamt bin ich aber mit dem Heilungsverlauf zufrieden. Es wird jeden Tag ein bisschen besser, einen richtigen Rückschritt musste ich bislang noch nicht verkraften", versichert das Kraftpaket und klopft in Gedanken dreimal auf Holz.

Teal Fowler hört dies gern. "Ich halte es für realistisch, dass Craig noch vor den Play-offs ins Team zurückkehrt", sagt der Manager. "Klar ist aber auch, dass es eine Sache ist, wie die Verletzung verheilt. Auf einem anderen Blatt steht aber, wie schnell Craig seinen Trainingsrückstand aufholen kann." Noch ist an eine Rückkehr ins Mannschaftstraining nämlich nicht zu denken. Zwar steht MacDonald schon wieder auf dem Eis - das aber nur allein, ohne Körperkontakt. Kraft- und Balancetraining und Aquajogging stehen stattdessen vermehrt auf dem Übungsplan. Die Fitnesstrainer Martin Müller und Daniel Müssig sind von dem Fleiß und den Fortschritten begeistert: "Craig ist unglaublich motiviert und professionell", sagt Müller. "Manchmal müssen wir ihn ein bisschen bremsen." Das kann Müssig nur bestätigen: "Craig hat einen großen Willen. Man merkt, dass er schnell wieder zurückkommen möchte."

MacDonald hatte sich dazu entschieden, den Kreuzbandriss konservativ zu behandeln. "Zum jetzigen Zeitpunkt meiner Karriere haben wir das für die beste Entscheidung gehalten. Hätte ich unters Messer gemusst, wäre ich acht, neun Monate ausgefallen und wohl erst nach einem Jahr wieder bei 100 Prozent gewesen", erklärt der Kanadier. Eines weiß MacDonald genau: "Ich muss geduldig bleiben." Und das, obwohl er lieber gestern als heute wieder Checks austeilen, Tore schießen und die Mannschaft führen würde. Das wäre auch für seine weitere Zukunft unglaublich wichtig. Der Kontrakt des Vorzeigeprofis, den Kreis zur Saison 2010/2011 aus Düsseldorf mit nach Mannheim brachte, läuft bei den Adlern am Saisonende aus. Mit jedem weiteren Einsatz könnte sich MacDonald für eine Vertragsverlängerung empfehlen. Dann würde die Laune wieder steigen.